Polemik
Fremdschämen in den Ferien

Manche Schweizer nerven sich über freche russische Touristen und allgemein nicht-anpassungswillige Ausländer. Doch es gibt sie auch unter uns, die Ferien-Proleten. Eine Polemik.

Dagmar Heuberger
Dagmar Heuberger
Drucken
Teilen
Touristen an einem Strand in Gran Canaria. (Archiv)

Touristen an einem Strand in Gran Canaria. (Archiv)

Keystone

Manchmal würde man am liebsten im Boden versinken. Stattdessen versteckt man sich hinter der Getränkekarte und schämt sich, dass man einen Schweizer Pass besitzt. Der «Tatort»: eine Bar in einem südeuropäischen Land – sagen wir Gran Canaria. Am Nebentisch: ein Schweizer Ehepaar. Er bestellt «ä Saaangria». «Ond no äs Mineral», sagt sie. «Mit oder ohne Gas?», fragt der Kellner. «Neiii, ohni Cholesüüri!», antwortet sie.

Szenenwechsel: ein Paar mit Kindern im Hotelrestaurant. Die Kleinen quengeln. Die Mutter schnippt mit den Fingern nach dem Kellner und ruft durch den Speisesaal: «Duuu, bringsch öis bitte öppis zum Schriibe? Zum Schriiiiibe! Äs Schriiiibi!! Hei, dä verstoht öis nööd!»

Ein paar Brocken Spanisch genügen, um sich auf Gran Canaria zu verständigen. Wer dort im Tourismus arbeitet, versteht Deutsch – Deutsch, nicht Schwiizerdütsch. Doch viele Schweizer glauben, dass ihr Dialekt überall verstanden wird. Und dass man das Hotel- und Servicepersonal respektlos duzen darf.

Zu Hause ärgern sie sich über die frechen russischen Touristen. Und verlangen von den Asylsuchenden, sie sollten sich den Schweizer Gepflogenheiten anpassen. Für sie selber gilt das im Ausland nicht.

Aktuelle Nachrichten