#MaturTortur
Edinburgh schottet sich ab

Die University of Edinburgh hat mich enttäuscht. Mehr als 1200 Kilometer habe ich zurückgelegt, nur um vor geschlossenen Türen zu stehen. Die erste ausländische Uni hat mich bereits abgewiesen, bevor ich mich überhaupt beworben habe.

Patrick Züst*
Patrick Züst*
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Die University of Edinburgh.

Die University of Edinburgh.

Keystone

Liebe University of Edinburgh

Du hast mich enttäuscht. Sehr sogar. Mehr als 1200 Kilometer habe ich für Dich zurückgelegt, nur um vor geschlossenen Türen zu stehen. Zusammen mit typisch schottischen Studenten, bei typisch schottischem Wetter, mit typisch schottischem Whisky. Dafür habe ich einen der kostbaren freien Tage geopfert, die einem die Kantonsschule Wohlen jedes Jahr zur Verfügung stellt. Es ist für uns die einzige Möglichkeit, um der täglichen #MaturTortur für einige Stunden zu entfliehen und einen Einblick in das spätere Studentenleben zu erhalten. Die meisten Viertklässler nutzen die freien Tage für einen Besuch an der HSG, der ETH oder an einer anderen Schweizer Hochschule. Ich aber wollte zu Dir nach Edinburgh. Mit drei Kollegen machte ich mich deshalb am vergangenen Freitag auf den Weg nach Schottland. Es ist ein Ausbruch aus dem Schulalltag – es ist eine dreitägige Reise zu Dir.

Meine Klassenkameraden behaupten zwar, dass es mir und meinen Kollegen viel mehr darum ging, zusammen ein tolles Wochenende zu verbringen, die billigen Flugtarife auszunutzen und die typisch britischen Pubs live zu erleben. Böse Zungen sprachen gar von einem gesuchten Grund, uns in der Öffentlichkeit mit einem Rock zu zeigen. In Wirklichkeit aber waren wir nur wegen Dir, Deinem guten Ruf und Deinen interessanten Studiengängen da. So steht es zumindest in unserem Absenzenheft.

Vielleicht haben wir Dich zu wenig intensiv gesucht. Vielleicht hatte Edinburgh einfach zu viele Alternativen zu bieten. Fakt ist, dass wir uns nicht getroffen haben – zumindest bis zur letzten Nacht. Dann nämlich haben uns Whisky, Planlosigkeit und eine schottische Studentenverbindung doch noch zueinander geführt. Du warst viel grösser, als ich mir Dich vorgestellt habe. Ehrwürdig, kolossal, monumental. Auf unser Treffen habe ich lange gewartet – Du hast das scheinbar nicht.

Denn Du warst verschlossen und kein Klopfen, Rütteln oder Schreien konnte daran etwas ändern. Die erste ausländische Uni hat mich bereits abgewiesen, bevor ich mich überhaupt beworben habe. Ab jetzt kann es also nur noch aufwärtsgehen. Was mir bleibt, ist ein verschwommenes Selfie mit Dir im Hintergrund: eine Erinnerung an eine erlebnisreiche Studieninformation in Schottland. Ein Beweis, dass ich wirklich bei Dir war.

*Patrick Züst schreibt über sein letztes Schuljahr an der Kanti Wohlen.