#Maturtortur
Die Qual der Studienwahl

Nach vier Jahren Kantonsschule ist es soweit, die Maturanden müssen sich für einen weiterführenden Weg entscheiden. Dies ist jedoch nicht ganz so einfach, Kolumnist Patrick Züst ist froh, dass ihm das Militär noch ein Jahr Bedenkzeit gibt.

Patrick Züst
Patrick Züst
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Welcher Studiengang soll es denn sein? Die Maturanden stehen vor einer schwierigen Entscheidung.

Welcher Studiengang soll es denn sein? Die Maturanden stehen vor einer schwierigen Entscheidung.

Keystone

In 19 Wochen werde ich mein Maturazeugnis entgegennehmen. Hoffentlich. Damit stehen mir alle Türen offen. Und genau das macht mir Angst. Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich mich festlegen. Aus über 500 Studiengängen an zwölf verschiedenen Universitäten soll ich den einen für mich richtigen finden. Das ist eine schwierige Aufgabe.

Die erste wichtige Entscheidung in meinem Leben habe ich vor rund vier Jahren elegant umschifft. Während meine Kollegen zwischen verschiedenen Berufen, Lehrbetrieben und Lebenslauf-Layouts schwankten, musste ich mir keine derartigen Gedanken machen. Mit der Kantonsschule traf ich damals eine Entscheidung, ohne mich wirklich entscheiden zu müssen. Ich verschaffte mir eine vierjährige Gnadenfrist, in welcher ich mir darüber klar werden konnte, was ich in meinem Leben wirklich will.

Diese Frist läuft jetzt ab und ich weiss es noch immer nicht. Hinter jeder offenen Tür wartet ein anderes Leben, eine andere Zukunft. Pro-Contra-Listen, Mindmaps und Studienberatungen konnten mir bisher nicht weiterhelfen. Entscheiden heisst zugleich verzichten. Das will ich nicht. Gerne würde ich die nächsten 40 Jahre lang studieren, den verschiedensten Interessen nachgehen, mich in unterschiedlichsten Bereichen bilden. Und mich nach dem vielen Nachdenken dann frühpensionieren lassen. Aber damit wäre wohl niemandem gedient.

Auch in unserer Klasse dominiert das Thema Studium momentan fast jede Mittagsstunde. Als Mann kann man
diese Diskussionen verhältnismässig entspannt verfolgen. Uns hat der Staat mit einer obligatorischen einjährigen Bedenkfrist beglückt. Meine Kolleginnen jedoch müssen sich bis Ende Mai für ein Studium einschreiben. Bei den Unentschlossenen bricht langsam aber sicher die Panik aus. Schon fast beruhigend sind da die Erzählungen von den erfolgreichen Uni-Absolventen, die ihr Glück erst im zweiten oder dritten Anlauf gefunden haben.

Studienabbrüche sind heutzutage an der Tagesordnung. Das nimmt einem als Maturand eine gewisse Last von den Schultern. Denn schliesslich ist die Matur für uns Kantischüler nicht nur die beste Möglichkeit, sich möglichst viele Türen möglichst lange offen zu halten. Es ist auch unser Schlüsselbund, um scheinbar verschlossene Türen später wieder öffnen zu können.