Meiereien
Der Schatz im Chriesigrund

Die Geschichte von Bauer Alfred Loosli aus Ueken, der in seiner Kirschbaumplantage einen römischen Münzschatz gefunden hat, lässt uns nicht kalt. Auch weil der ehrliche Finder leer ausgeht. Oder besser gesagt: Fast leer ausgeht.

Jörg Meier
Jörg Meier
Merken
Drucken
Teilen

Alfred Loosli aus Ueken ist ein ehrlicher Mensch. Im September fand er in der Erde unter seinen Kirschbäumen 19 Münzen. Loosli hätte nun auf eigene Faust graben können. Oder zumindest die Münzen, die mit Grünspan überzogen, aber sonst unversehrt waren, einfach einstecken und für sich behalten können. Niemand hätte davon erfahren. Doch das tat der 82-jährige Alfred Loosli nicht. Sondern er meldete seinen Fund.

Alfred und Daniel Loosli sind in ihrer Kirschenplantage fündig geworden.
8 Bilder
Vier Münzen im Sommer 2014 waren die ersten Anzeichen für den verborgenen Schatz. In drei Tagen graben die Kantonsarchäologen 4166 römische Münzen aus.
Ein Landwirt entdeckte in Ueken AG im Boden zufällig ein paar Münzen. Der Fund führte die Archäologen zu über 4000 römischen Münzen. Erst rund 250 der insgesamt 4166 Münzen sind restauriert. Sie sind in einem bemerkenswert guten Erhaltungszustand.
Teile des Münzschatzes von Ueken bei der Entdeckung. Mindestens ein Teil der Münzen wurde offenbar in Säcken aus Stoff oder Leder in der Erde vergraben.
Restaurierung einer Münze unter dem Binokular.
Ein kleiner Teil des Münzschatzes von Ueken in unrestauriertem Zustand.
Der Münzschatz aus Ueken
Hier fand Alfred Loosli den Münzschatz

Alfred und Daniel Loosli sind in ihrer Kirschenplantage fündig geworden.

Yvonne Zollinger

Die Archäologen kamen, gruben und fanden einen beträchtlichen Schatz: 4166 Münzen von erheblichem Wert aus der Römerzeit, Gesamtgewicht rund 15 Kilogramm. Der Schatz gehört dem Staat. So will es das Gesetz. Für Loosli bleibt nichts. Immerhin: Der entstandene Landschaden wird ihm vergütet.

Der Schatz im Chriesigrund lässt uns nicht kalt. Denn er stellt unangenehme Fragen. Zum Beispiel diese: Wenn ich in meinem Garten ein Schatz finden täte, würde ich ihn Loosli-like melden? Ehrlich gesagt: Ich bin mir da nicht so sicher. Und wenn andere Leute ähnlich unsicher sind, wie ich es bin – ja dann gibt es womöglich noch viele gefundene Schätze, die heimlich gehoben worden sind? Oder noch immer versteckt unter der Erde liegen? Soll ich mir auf Weihnachten doch einen Metalldetektor wünschen?

Und wenn wir den Blick verantwortungsvoll in die Zukunft werfen: Sollten wir unseren Nachfahren zuliebe nicht auch den einen oder andern Schatz jetzt vergraben? Es wäre doch schön, wenn wir den Nachgeborenen nicht nur Atomendlager in der Tiefe hinterlassen täten, sondern auch den einen oder andern richtigen Schatz in der Erde.

Wie dem auch sei. Wie man hört, gibt es im Fricktal seit einigen Tagen eine neue Redewendung: «Ehrlich wie Loosli».