Kommentar
Der Kopf siegt über das Herz

Kuoni gibt sein Kerngeschäft, die Organisation von Reisen für Privatpersonen auf. Künftig wird der Schweizer Reiseveranstalter vor allem als Dienstleister für andere Reiseveranstalter tätig sein.

Thomas Schlittler
Thomas Schlittler
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Zürcher Kuoni-Filiale im Jahre 1997: Heute haben Reisebüros nur noch eine Existenzberechtigung, wenn sie mehr bieten können als das Internet. Keystone

Zürcher Kuoni-Filiale im Jahre 1997: Heute haben Reisebüros nur noch eine Existenzberechtigung, wenn sie mehr bieten können als das Internet. Keystone

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Kuoni gibt sein Kerngeschäft, die Organisation von Reisen für Privatpersonen, auf. Damit geht eine 109-jährige Firmentradition zu Ende. Für wichtige Exponenten der Schweizer Reisebranche ist das ein Schock. Viele haben einmal für den grössten Reisekonzern des Landes gearbeitet. Sie haben deshalb eine emotionale Bindung zu Kuoni und dessen Produkten.

Doch Kuoni ist an der Börse kotiert. Dort ist kein Platz für Sentimentalitäten. Es zählen nur die nackten Zahlen. Und diese machen im Geschäftsbereich, der Kuoni gross gemacht hat, seit langem keine Freude mehr. Das Internet hat Kunden und Margen weggefressen. In anderen Segmenten des Konzerns – zum Beispiel im Visa-Bearbeitungsgeschäft – ist momentan deutlich mehr Geld zu verdienen. Kuoni-CEO Peter Meier, erst seit letztem März im Amt, hat das gesehen und die Konsequenzen gezogen. Der Zahlenmensch ist nicht in der Reisebranche gross geworden. Deshalb ist er emotional nicht vorbelastet. Die Anleger danken es ihm: In Erwartung höherer Renditen schoss die Kuoni-Aktie gestern 8 Prozent in die Höhe.

Weltweit sind 3800 Mitarbeiter vom Verkaufsentscheid betroffen, 1050 davon in der Schweiz. Für sie beginnt nun das grosse Bibbern: Wer wird der neue Arbeitgeber? Kuoni will seine Aktivitäten in der Schweiz nur als Komplettpaket verkaufen. Ob sich dafür ein Käufer finden lässt, ist aber alles andere als sicher. Und falls doch, droht ein Stellenabbau. Denn ob Hotelplan, TUI, Thomas Cook oder ein anderer internationaler Reiseanbieter: Alle hätten bei einem Kauf Doppelspurigkeiten.

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