Analyse
Der Kampf um Syngenta ist mehr als Honig

Welcher Hobbygärtner weiss, von welcher Firma das Spritzmittel stammt, das er einsetzt? Erst mit dem Film «More Than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof im Jahr 2012, wurde das Unternehmen Syngenta, das diese Spritzmittel herstellt, bekannt

Andreas Schaffner
Andreas Schaffner
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Mit dem Film «More Than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof im Jahr 2012, wurde das Unternehmen Syngenta weltweit bekannt.

Mit dem Film «More Than Honey» des Schweizer Regisseurs Markus Imhoof im Jahr 2012, wurde das Unternehmen Syngenta weltweit bekannt.

Keystone

Die Firma wurde darin für das millionenfache Sterben von Honigbienen mitverantwortlich gemacht. Ein PR-Skandal erster Güte, in dem Syngenta unprofessionell agierte.

Seit einigen Monaten ist die weltweite Nummer eins im Pflanzenschutz erneut in den Schlagzeilen. Diesmal geht es darum, dass US-Konkurrent Monsanto Syngenta kaufen will. Ausgerechnet Monsanto, das seinerseits seit Jahren wegen seines genetisch veränderten Saatguts und seiner Geschäftsmethoden in der Kritik steht. Syngenta geriet zusätzlich in die Fänge von Hedgefunds und aktivistischen Investoren. Im letzten Dezember goss Verwaltungsrats-Präsident Michel Demaré Öl ins Feuer, indem er bekannt gab, dass man auch mit anderen Kaufinteressenten im Gespräch sei, darunter auch der chinesischen Chem China. Die Unabhängigkeit der Firma ist auf einmal in Gefahr. Viele Syngenta-Mitarbeiter in der Nordwestschweiz sind verunsichert.

Der Verwaltungsrat verhandelt mit verschiedenen möglichen Käufern

Natürlich wäre es schade, wenn eine solide Schweizer Firma geschluckt würde. Wer jetzt vor einer chinesischen Übernahmewelle warnt, und den Teufel an die Wand malt, verkennt die Situation. Er spielt ebenfalls das Spiel der Hedgefunds mit. Die sind daran interessiert, den Preis für die Aktie hochzutreiben, um nach den gescheiterten Avancen von Monsanto einen lukrativen Ausstieg zu finden. Dazu gehören gezielte Indiskretionen.

Der Verwaltungsrat hat die Pflicht, mit Interessenten zu sprechen, die – aus welchen Gründen auch immer – anklopfen. Ein Verkaufsgespräch ist das noch nicht.
Kommt es wirklich zu einem Bieterwettbewerb, stünden auch andere Firmen, wie die deutsche BASF, auf der Matte. Und ob der Standort in Basel, der steuerlich noch immer europaweit zu einem der günstigsten gehört, einfach so aufgegeben würde, ist noch einmal eine andere Frage. So weit die Auslegeordnung.

In der Pflicht steht vor allem das Management, das nicht nur im Fall des Imhoof-Films mehr als unglücklich kommuniziert hat. Gefordert ist insbesondere der ehemalige Finanzchef John Ramsay, der seit letztem Oktober Michael Mack an der Spitze ablöste. Ramsay muss den Aktionären aufzeigen, welcher Wert in der Firma, die er seit der Ablösung aus der Novartis kennt, wirklich steckt. Wie die Innovationen an den Markt gebracht werden können, von denen derzeit die Rede ist.

Und wieso das Unternehmen selbstständig bleiben kann, während in der ganzen Branche eine Fusionswelle tobt. Denn tatsächlich steht die grösste Fusion in der Geschichte der Industrie bevor. Dupont und Dow Chemical schliessen sich zusammen. Kein Wunder, stellen viele die Frage: Wie weiter mit Syngenta?

Damit nicht genug: Das Syngenta-Management wird wohl oder übel auch die integrierte Strategie, die 2011 von seinem Vorgänger vorgestellt wurde, überprüfen. Diese hat dazu geführt, dass das zweite Standbein neben der «Spritzmittel-Chemie» – der Bereich Saatgut – heute einen schlechten Ruf geniesst. Teams, die aus beiden Bereichen zusammengeführt wurden, haben nicht den erwünschten Schub gebracht.

Schwellenländer sind in der Krise: Das belastet Syngenta zusätzlich

Es werden keine einfachen Wochen werden für Ramsey und für die 26 000 Mitarbeiter von Syngenta in über 90 Ländern. Denn es brennt gleich an mehreren Fronten. Die Schwäche der Schwellenländer, dort wo Syngenta marktführend ist, bringt zusätzliche Sorgen. Neue Lösungen sind auch gefragt beim Vertrieb des Saat-guts – etwa in den USA. Dort also, wo Monsanto unumstrittener Platzhirsch ist.

Dort, wo man die Aufholjagd vor Jahren gestartet hat. Ramsay muss den Verwaltungsrat davon überzeugen, rasch hier zu investieren. Dafür muss er ihn
von der neuen Strategie, die derzeit entwickelt wird, überzeugen. Kein Wunder, verzichtet Ramsay darauf, kommende Woche nach Davos ans WEF zu fahren. Eine Wette auf die Selbstständigkeit Syngentas ist das nicht. Immerhin hat Ramsay begriffen, was die Aktionäre wollen. Ob diese dann ihre Aktien an den Richtigen verkaufen, bleibt abzuwarten.

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