Finanzplatz
Das ist eine Katastrophe für kleine Banken

Um 603 Milliarden Franken gingen die Vermögen ausländischer Privatkunden seit Juni 2007 zurück. Das ist für allem für die kleinen Banken eine Katastrophe.

Roman Seiler
Roman Seiler
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Schriftzug der Schweizer Privatbank am Paradeplatz

Schriftzug der Schweizer Privatbank am Paradeplatz

Keystone

Im Gegenteil: Für kleinere Privatbanken wird die Luft dünner. Warum dies so ist, zeigt ein Blick in die Statistik der Wertschriftenbestände in Depots von Schweizer Banken. Die hier von Ausländern parkierten Vermögenswerte halbierten sich seit Mitte 2007. Tausende ausländischer Steuerhinterzieher haben sich in den vergangenen Jahren bei ihrem Fiskus selbst angezeigt – oder sind aufgeflogen. Daher schrumpften die Depotbestände von Ausländern um rund 300 Milliarden Franken. Zudem liessen Währungsturbulenzen und ein vorsichtigeres Anlegerverhalten die Wertschriftenbestände schmelzen.

Problematisch ist dies, weil Finanzinstitute mit Privatkunden massiv mehr Geld verdienen als im Geschäft mit institutionellen Anlegern wie Pensionskassen und Fondsgesellschaften. Grossbanken und grosse Privatbanken wie die Bank Julius Bär können die Verluste im Geschäft mit Kunden in der Schweiz kompensieren. Sie profitieren davon, dass es in Asien und anderen aufstrebenden Regionen eine grosse Zahl neuer Multimillionäre und Milliardäre gibt.

Diese Klientel bunkert ihr Geld nicht mehr nur in der Schweiz. Sie lassen es beispielsweise in Hongkong oder Singapur verwalten. Hier Filialen aufzubauen, ist für kleinere Privatbanken kaum erschwinglich. Sie verlieren verwaltete Vermögen in der Schweiz, ohne andernorts neue hinzuzugewinnen.

Daher ist für diese Institute katastrophal, dass die Vermögen auf Depots von Privatkunden in der Schweiz seit Mitte 2007 um ein Drittel geschrumpft sind. Die Erträge auf den verwalteten Vermögen sinken, während die Kosten steigen, auch wegen neuer, komplexer Vorschriften. Das befeuert die Konsolidierung: Die Zahl der Finanzinstitute in der Schweiz wird weiter abnehmen. Und damit auch die Zahl der Arbeitsplätze.

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