Kommentar
«Charlie» ist lebendiger denn je

Chapeau, «Charlie Hebdo»! Die Titelseite der neuesten Ausgabe des Satiremagazins ist ganz stark.

Dagmar Heuberger
Dagmar Heuberger
Drucken
Teilen
Titelbild der neuen Ausgabe von Charlie Hebdo

Titelbild der neuen Ausgabe von Charlie Hebdo

Keystone

Der weinende Mohammed mit dem mittlerweile globalen Bekenntnis «je suis Charlie» und der Überschrift «tout est pardonné» («alles ist vergeben») – das ist schlicht grossartig. Diese Mohammed-Karikatur ist – anders als einige ihrer Vorgänger – weder grob noch derb und auch nicht beleidigend oder boshaft.

Genau genommen handelt es sich nicht einmal um beissende Satire, sondern um feine Ironie: Der Prophet solidarisiert sich mit den Zeichnern, die in seinem Namen ermordet wurden. Und er verzeiht den verblendeten Anhängern seines Glaubens, die getötet haben. Oder den Cartoonisten, die ihn gezeichnet haben? Wo bitte ist hier die Provokation, von der ägyptische Islamgelehrte bereits wieder sprechen?

Die «Charlie»-Macher haben sich nicht einschüchtern lassen, sind nicht eingeknickt. Im Gegenteil: Unter schwierigsten Bedingungen haben sie ein neues Heft herausgebracht. Und natürlich zeigen sie erneut einen Mohammed-Cartoon. Das waren sie ihren ermordeten Kollegen schuldig. Gleichzeitig setzen sie aber auch ein starkes und wichtiges Signal – für die Medien, für die freie Presse und vor allem für die Meinungsfreiheit. Ein Zeichen zudem, dass sich die westliche Welt von islamistischen Terroristen nicht in die Knie zwingen lässt.

«Wir haben ‹Charlie Hebdo› getötet», sollen die Attentäter bei der Flucht gerufen haben. Nein – «Charlie» ist lebendiger denn je!

@ dagmar.heuberger@azmedien.ch

Aktuelle Nachrichten