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Burnout, Drogen und Schwule

Wie liberal ist die SVP? Vier Geschichten aus dem Leben:

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Toni Bortoluzzi.

Toni Bortoluzzi.

Keystone

1. Der Neuenburger SVP-Regierungsrat Yvan Perrin (47) kann nicht mehr. Er ist ausgebrannt. Burnout. Nach nur einem Jahr tritt er entkräftet per sofort aus der Regierung zurück. Er hat sich freiwillig in eine Psychiatrische Klinik begeben. Seit Monaten leidet er unter Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Medikamenten- und Alkoholproblemen. Bereits 2010 hatte er ein erstes Burnout. Genauso wie bei SVP-Nationalrätin Natalie Rickli führt kein Weg mehr an einem ärztlich begleiteten Timeout vorbei.

Zum Thema Burnout schrieb SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli in der «Weltwoche»: «Solche Führungskräfte liebt man: Wenns drauf ankommt, bleibt man in der warmen Stube und lässt die anderen den Karren aus dem Dreck ziehen.»

2. Der Berner SVP-Grossrat Thomas Fuchs ist schwul – und steht dazu. Er dachte, sein Name stehe für eine Öffnung der Partei in Fragen der gesellschaftlichen Lebenspraxis.

Jetzt sagt SVP-Nationalrat Toni Bortoluzzi im «Beobachter»: «Homosexuelle haben einen Hirnlappen, der verkehrt läuft.» Und gegenüber «20 Minuten» doppelt er nach: «Ich verstehe nicht, warum alle so einen Wirbel machen, nur weil ich die Wahrheit ausspreche.»

3. Toni Bortoluzzi bleibt nicht bei der Beleidigung der Schwulen stehen. Auch Singles und Menschen, die im Laufe ihres Lebens den Partner gewechselt haben, kanzelt er ab: «Schwule, Lesben und alle, die allein leben oder ihren Partner nach Lust und Laune wechseln, sind fehlgeleitet.»

4. Am Dienstag machte «20 Minuten» publik, dass Ueli Maurers jüngster Sohn mit Cannabis verhaftet wurde. Er versuchte vor einer Polizeikontrolle bei einem Jugendtreff in Hinwil ZH zu fliehen. Aber die Polizei erwischte ihn und fand Gras für den Eigengebrauch. Bereits vor 10 Jahren wurden in Maurers Garten Hanfpflanzen entdeckt.

Auch beim Cannabis-Konsum kennt Bortoluzzi kein Pardon: «Wir erlauben ja auch nicht den Frauenhandel oder den Waffenhandel, nur weil er jetzt betrieben wird.»

Für Bortoluzzi ist klar, dass er in diesen Fragen im Namen der SVP redet: «Die Basis und die Bundeshausfraktion sind wohl mehrheitlich wertkonservativ wie ich.» Ist das wertkonservativ? Diffamierung von Singles, Wiederverheirateten, Schwulen, Lesben, Burnout-Opfern und Cannabis-Konsumenten? Oder heisst wertkonservativ treu der Präambel der Bundesverfassung nicht vielmehr: «In gegenseitiger Rücksichtnahme und Achtung Vielfalt in der Einheit zu leben»? Die Verfassung macht klar: Intoleranz ist unschweizerisch. Wo steht die SVP: auf dem Boden der Verfassung oder tief hinten in Bortoluzzis unterster Schublade?

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