Fifa-Skandal
Bis der Tod sie scheidet

Sepp Blatter spricht gerne und häufig über Fairplay, über den Fussball als Lebensschule. Doch als guter Verlierer ist der Walliser nicht bekannt. Blatter wird nicht 90 Sabbattage einlegen.

François Schmid-Bechtel
François Schmid-Bechtel
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Blatter wird einen Nachfolger aufbauen, der ihn nicht aus der Familie verbannt. Der ihm die Option offeriert, sein Kind, die Fifa, zu behüten, bis der Tod die beiden scheidet.

Blatter wird einen Nachfolger aufbauen, der ihn nicht aus der Familie verbannt. Der ihm die Option offeriert, sein Kind, die Fifa, zu behüten, bis der Tod die beiden scheidet.

Keystone

Sepp Blatter spricht gerne und häufig über Fairplay, über den Fussball als Lebensschule. Doch als guter Verlierer ist der Walliser nicht bekannt. Das wissen die Menschen, die schon mit ihm oder gegen ihn Fussball gespielt haben. Denn da gilt das Gesetz: Blatter muss mindestens ein Tor erzielen. Im Notfall erstarren die gegnerischen Verteidiger halt zu Salzsäulen.

Blatter ist ein schlechter Verlierer. Trotzdem nimmt er die 90-Tage-Suspendierung scheinbar klaglos hin. Sprich: Er verzichtet auf einen Rekurs. Was man auch als Schuldeingeständnis interpretieren kann. Sein Ruf ist ihm natürlich nicht egal. Aber Blatter hat unmittelbar Wichtigeres im Sinn, als seinen Kopf in den Tornado zu halten.

Blatter wird nicht 90 Sabbattage einlegen. Er wird einen Nachfolger aufbauen, der ihn nicht aus der Familie verbannt. Der ihm die Option offeriert, sein Kind, die Fifa, zu behüten, bis der Tod die beiden scheidet. Denn die Fifa ist Blatters Lebenselixier. Weiter wird er wohl alles daransetzen, der Ethikkommission Fehler bei ihrer Untersuchung zu unterstellen und gleichzeitig seine Unschuld zu beweisen. Und seinen Intimfeind Michel Platini, den er mit in den Abgrund gerissen hat, definitiv zu versenken.

Das alles braucht Zeit und Energie. Ein Rekurs würde ihm beides rauben. Und Blatter liefe Gefahr, definitiv durch die Hintertüre abtreten zu müssen. Denn in 90 Tagen ist erst Anfang Januar. Danach steht die pompöse Wahl zum Fussballer des Jahres mit Sepp Blatter in der Hauptrolle des Gastgebers auf dem Programm.

Die Eröffnung des Fifa-Museums in Zürich. Und natürlich der Fifa-Kongress am 26. Februar, wo sein Nachfolger gewählt wird. Ein Nachfolger, der ihm die grässlichen Verteidiger vom Leibe hält, damit er weiterhin den Ball im leeren Tor versenken kann.

francois.schmid@azmedien.ch

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