Der Kaffeemacher
Bauern in der Abwärtsspirale

Benjamin Hohlmann leitet in Münchenstein die Kaffeeschule Kaffeemacher. Er war Schweizer und deutscher Kaffeemeister, ist Kaffee-Sommelier und betreibt eine Kaffeefarm in Nicaragua, ein Café in Basel sowie eine Rösterei.

Benjamin Hohlmann
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Farmer in Nicaragua, wo die Produktion teurer als der Kaffee ist.

Farmer in Nicaragua, wo die Produktion teurer als der Kaffee ist.

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Während ich diese Zeilen schreibe, geht’s bergab. Der internationale Kaffeepreis liegt so tief wie seit Jahren nicht mehr. Düsteres Thema, aber das muss sein, denn: Das Kilogramm kostet an der Arabica-Börse in New York umgerechnet 2.42 Schweizer Franken – dramatisch tief!

Kaffee wird weltweit überwiegend in kleinbäuerlichen Verhältnissen angebaut, und die Produktionskosten sind deutlich höher als der aktuelle Kaffeepreis. In der Region Dipilto in Nicaragua etwa, in der unsere Kaffeefarm Santa Rita beheimatet ist, liegen die durchschnittlichen Produktionskosten pro Kilogramm bei 3.30 Schweizer Franken. Pro angebautes Kilogramm zahlen Sie also rund 90 Rappen drauf.

Hinzu kommt, dass der Börsenverkaufspreis nicht das widerspiegelt, was der Kaffeeproduzent erhält. Dieser Preis, «Farmgate» genannt, ist mindestens 20 Prozent geringer als der momentane Börsenpreis, da Verarbeitungsschritte wie Schälen und Feinsortieren in der Regel noch zu verrechnen sind. Auch nimmt der eine oder andere Zwischenhändler seinen Teil vom Kuchen noch aus dem bereits eng geschnürten Säckel.

Der Börsenpreis entspricht also nicht im Geringsten dem Aufwand des Anbaus, und auch nicht dem Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage. Dieses hält sich seit Jahren mehr oder weniger die Waage. Rund 150 bis 160 Millionen Sack werden pro Jahr produziert und konsumiert.

Der Preis ist vor allem das Ergebnis von Spekulation. Und wer Kaffee anbaut, befindet sich in einer Abwärtsspirale. Schulden häufen sich an, für viele Bauern gibt es keine Perspektive aus dem negativen Strudel. Hinzu kommt, dass der Farmer das gesamte Risiko für Klima, Schädlinge und Pflanzenkrankheiten trägt.

Der fair gehandelte Kaffee von Max Havelaar schützt den Produzenten durch einen Mindestpreis von 3.06 Schweizer Franken. Das bewahrt ihn vor extremen Schwankungen der Börse nach unten, ist aber für die meisten unterhalb der Produktionskosten.

Zukunftsweisend sind Projekte und Röstereien, welche die Preisgestaltung transparent darstellen und sich mehr an den Produktionskosten der Produzenten als den Preisen der Börse orientieren. Diesbezüglich ein Pionier ist die Kleinrösterei Kafischmitte im Emmental. Neue Projekte wie Crowd Container oder Teikei Coffee laden den Kaffeetrinker zur Vorfinanzierung des Kaffees ein. Seit drei Jahren hat das Schweizer Start-up Algrano diesen Impuls auch als Kaffeehändler aufgenommen.

Auf einer Online-Plattform begegnen sich Röster und Produzenten und schliessen einen transparenten Kaufvertrag ab. Für beide Seiten ist so genau einsehbar, wer welche Kosten trägt und welchen Preis erhält.

Ich empfehle Ihnen: Fragen sie beim Kaffeekauf immer nach, was der Produzent erhalten hat. Immer mehr Röstereien können Ihnen diese Auskunft geben.