Schweizer Nati
Anspruch und Wirklichkeit klaffen auseinander

Wo steht die Schweizer Nationalmannschaft? Ein Kommentar nach den Spielen gegen Slowenien und England.

Etienne Wuillemin
Etienne Wuillemin
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Allzu sehr sollte die Schweiz derzeit nicht von Heldentaten an der EM träumen.

Allzu sehr sollte die Schweiz derzeit nicht von Heldentaten an der EM träumen.

Keystone

Die bitterste Erkenntnis zuallererst: Europa schwärmt über Österreich. Immerhin ist mit Marcel Koller ein Schweizer als Trainer auch mitverantwortlich für den Erfolg. Ansonsten gibt es in den Ländern des europäischen Spitzenfussballs aber keinen Grund, die Schweiz genauer unter die Lupe zu nehmen.

Gewiss, die Schweiz hat eine aufregende Woche hinter sich. Das 3:2 gegen Slowenien war ein emotionaler Höhepunkt, den die Fans lange nicht mehr erlebt hatten in einem Qualifikationsspiel. Und die Frage lautete: Erzählen die letzten 15 Minuten, jene vom 0:2 zum 3:2, die Wahrheit? Oder doch eher die 80 ersten Minuten voller Schwierigkeiten?

Der Auftritt in England von Dienstagabend legt den Schluss nahe, dass derzeit im Schweizer Team eher nicht alles optimal läuft. Es war ein Auftritt ohne Mut, ohne Entschlossenheit und Überzeugung in die eigenen Fähigkeiten. Die Schweiz war zwar lange stabil – aber dann eben nicht fähig, dem Gegner entscheidend weh zu tun. Die Hoffnung von Nationaltrainer Vladimir Petkovic hat sich nicht erfüllt.

Die Schweiz hat (zurecht) den Anspruch, irgendwann einen nächsten Schritt nach vorne zu tun. Irgendwann an einer Endrunde eben auch einmal ein K.O.-Spiel zu gewinnen, einen Viertelfinal zu erreichen. Der Massstab ist das Spiel gegen Argentinien, dieser WM-Achtelfinal, der am Ende ganz bitter 0:1 verloren ging. Zwei Spiele hatte Petkovic bisher, die so etwas wie ein Vergleich darstellen könnten, jene zwei gegen England. In beiden ist die Schweiz durchgefallen. Gegen einen Widersacher, der zurzeit bestimmt nicht zur gehobenen Klasse Europas gehört.

Es gehört zu den Besonderheiten des aktuellen Schweizer Teams, dass die Probleme irgendwie nicht zuzuordnen sind. Mal patzt die Verteidigung. Mal scheint der Captain angeschlagen. Mal sind die Stürmer zu wenig durchschlagskräftig. Es gibt keine Konstanz im Schweizer Spiel. Weder im Positiven noch im Negativen.

Für den Moment zählt nur eines: Dass die Schweiz ihre Pflicht im Oktober erfüllt. Gegen San Marino und Estland zwei überzeugende Siege einfährt und sich für die Europameisterschaft in Frankreich qualifiziert. Allzu sehr sollte sie aber noch nicht von Heldentaten an der EM träumen. Diese Rolle gehört zurzeit den Österreichern.

England - Schweiz im Wembley-Stadion
37 Bilder
Für Embolo ist beim Maskenmann Cahill Endstation.
Für einmal machte Mars das Spiel der Schweizer Nati von Coach Petkovic nicht mobil.
Kane beflügelt, Stocker bedient.
Lichtsteiner bittet Rooney zum Überschlag.
Die grosse Torchance für Shaqiri.
Inler mit perfekter Schusstechnik.
Schär lässt Sterling keinen Zentimeter Raum.
Drmic als Stammspieler nicht halb so wirksam wie als Joker.
Behrami gibt keinen Ball verloren - auch nicht, wenn der Gegenspieler Wayne Rooney heisst.
Shaqiri ein wenig wie Asterix bei den Briten.
Ein Schweizer Ball?
Das Bein von Oxlade-Chamberlain gefährlich nahe am Kopf von Klose.
Wayne Rooney vergibt die erste grosse Chance der Partie.
Die Zehen von Maskenmann Cahill und Stocker sagen sich «Hallo».
Shaqiri sucht den Abschluss. Shaqiri sucht den Abschluss.
Rooney ist der Star im Team der Engländer.
Rückkehrer Inler zeigt auch defensive Qualitäten.
Xhaka befreit mit dem Kopf.
Shaqiri im Stechschritt.
Oxlade-Chamberlain enteilt Xhaka.
Sterling überspringt das Hindernis Shaqiri.
Captain Inler is back on track.
Shaqiri und Sterling im Stolpermodus.
Lichtsteiner im Stolpermodus.
Shaqiri ist doch auch ein Grosser!
Auch Rooney ist ein Grosser.
Und wieder ist der Schweizer - Lichtsteiner - der Grössere.
Rooney als ständiger Gefahrenherd.
Roy Hodgson als englischer Nationaltrainer am 8. September 2015.
Roy Hodgson als Schweizer Nationaltrainer am 9. Dezember 1994.
Als Einlaufkind bei Wayne Rooney im Einsatz: Der Sohn von David Beckham.
Die Maskenmänner auf der Tribüne des Wembley-Stadions.
Schweizer Folklore für englische Fussballfans: Vielleicht ist ja bald wieder eine Reise ins Berner Oberland angesagt.
Das Mekka des Fussballs: Wembley-Stadion.
Optimistische Schweizer Fans vor Spielbeginn.
Wieder ein Herz und eine Seele: Captain Gökhan Inler und Nationaltrainer Vladimir Petkovic.

England - Schweiz im Wembley-Stadion

Keystone