Persönlich
Selbst ist der Mann

Die Autos werden immer komplizierter gebaut. Da wird ein Birnenwechsel zur Tortur.

Urs Byland
Urs Byland
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Das Wechseln einer Birne ist nicht so einfach.

Das Wechseln einer Birne ist nicht so einfach.

AZ

Den Birnenwechsel beim Auto lasse ich vom Fachmann ausführen. Dieser fingert auf meine Bitte gleich selber im handgrossen Loch des Scheinwerferkastens und schafft es nach einigen Minuten wirklich, die Birne (30 Franken) zu ersetzen. Ein kleines Trinkgeld hat Platz, denn schliesslich habe ich gerade ein paar Franken gespart, denke ich. Aber: Der Verkäufer hat bereits 10 Franken für seine Arbeit auf den Preis draufgeschlagen.

Wie ich das weiss? Einen Tag später gibt die Birne auf der anderen Seite den Geist auf. Nochmals gehts zum gleichen Händler. Ein jetzt anderer Verkäufer will aber nicht selber fingern. Das soll der Mechaniker erledigen. Kostenvoranschlag: Birne 20 Franken (sic!), Arbeit 30 Franken. Ich verzichte auf die Arbeit, kaufe die Birne und: Selbst ist der Mann. Mit Youtube-Filmchen schaffe ich das Unmögliche und wechsle die Birne am Citroën aus.

Einen Tag später erlischt die Birne am Auto meiner Frau, ein alter Polo. Auch hier soll ein Selbstversuch das Problem lösen. Sie kauft zwei Birnen, die gleichen wie beim Citroën, für total 30 Franken (15 Franken pro Birne), wozu der Verkäufer geraten hat, denn ein Unglück komme selten allein. Erneut wird Youtube konsultiert. Nur, das handgrosse Loch ist in echt zur Hälfte verdeckt. Eigentlich kommt nur eine Kinderhand rein. Nach etwa einer halben Stunde Verrenkungen gehe ich zum Garagisten. Der schraubt gleich den Scheinwerferkasten raus. Weil er etwas gelernt habe, erlässt er die Kosten. Merci! Übrigens: alle fluchen über diesen Dienst am Kunden mit den Birnenwechseln, nur die Garagisten reiben sich die Hände. Und kürzlich in der Migros gesehen: die gleiche Birne für 10 Franken.

urs.byland@azmedien.ch

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