Apropos
Gewitterziegen in der Seele

Der Schweizer Unihockey-Nationalmannschaft fehlte an der WM in Schweden eine gehörige Portion Biss.

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Manuel Engel war die Enttäuschung nach dem verlorenem Bronze-Spiel ins Gesicht geschrieben. Fehlte es den Schweizern schlicht an Kämpfergeist? Sie haben nun genügend Zeit, darüber zu nachzugrübeln.

Manuel Engel war die Enttäuschung nach dem verlorenem Bronze-Spiel ins Gesicht geschrieben. Fehlte es den Schweizern schlicht an Kämpfergeist? Sie haben nun genügend Zeit, darüber zu nachzugrübeln.

Keystone

Kennen Sie Ihr Krafttier? Präzis, Ihr momentanes Krafttier? Die Viecher spielen im Schamanismus eine richtungsweisende Rolle und sollen uns zeigen, welche Ressourcen in uns hausen und wie sie wirken. Das Krafttier muss aber eben nicht immer gleich aussehen – im jeweiligen Augenblick regiert dieses oder jenes. Nun, was die Unihockey-Nationalmannschaft angeht, muss da zuletzt an der WM in Göteborg ein Heer von Plüschteddys am Ruder gewesen sein.

Mehr zappelige Teppich-Porsches als bissige Dobermänner. Das 1:10 im Halbfinal gegen Schweden grenzt schon an eine Exkommunikation aus dem Unihockey-Olymp. Ein Intensiv-Coaching im Sinn von Prügel der qualvollen Art – eine üppige Bescherung. Prompt ging im Spiel danach gegen Tschechien – trotz 2:0-Führung – auch noch diese potenziell tröstende Bronzemedaille hops.

In Trancereisen, sagen ambrosisch-getunte Wesen wie ein Mike Shiva, könne man lernen, mit seiner Tierseele in Dialog zu treten und zu kommunizieren. Allein, um mit der grauen Maus, dem Angsthasen oder der Gewitterziege, die einem da möglicherweise im tiefsten Innern begegnet, einmal ein ernsthaftes Wörtchen zu piepsen und meckern und ihnen ein paar Pferdestärken einzuhauchen.

Eine handelsüblichere Form der Frustbewältigung als die transzendente Diskussion mit der Seelen-Menagerie ist der Griff zum Kolben – zum promillisierten Flascheninhalt also. Trinken bis zum Synapsentango... Oder dann kennt man das Frustfressen. Schliesslich entlädt sich Frust oft auch via exzessivem Einkaufen.

Das mit dem Trinken und Essen wirkt sich definitiv nachteilig auf Form und Kondition aus und ist ergo nicht empfehlenswert. Das mit dem Shoppen hingegen hätte jetzt in der aktuellen Vorweihnachtszeit schon etwas Stimmigeres. So dürfen sich wenigstens die Freunde und Verwandten der geknickten helvetischen Unihockey-Helden auf eine üppige Bescherung freuen. Und die Spieler können erst erfahren, dass eine üppige Bescherung auch etwas Positives sein kann ...

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