Kultur
Der Wert von Kultur wird massiv unterschätzt

Gastkolumne über das kulturelle Angebot in der Region – und warum dieses im Interesse aller sein sollte.

Reto Baumgartner
Reto Baumgartner
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Eines der etablierteren Kulturstätten in der Region: das Stadttheater Olten.

Eines der etablierteren Kulturstätten in der Region: das Stadttheater Olten.

Zur Verfügung gestellt

Ich bin überwältigt von der vielfältigen und lebendigen Kultur in unserer Region! Obwohl ich mich als interessierten «Konsumenten» des hiesigen kulturellen Angebots bezeichnen würde, war mir diese Vielfalt bisher so nicht bewusst.

Erst durch die intensive Auseinandersetzung damit, im Rahmen unseres neu gegründeten Internet-Start-ups Ticketfrog, wurde mir das klar. Ticketfrog bietet eine kostenlose Lösung zum Verkauf von Tickets über Internet und richtet sich an Veranstalter in der ganzen Schweiz. Um in unserem «Heimmarkt» Solothurn möglichst rasch bekannt zu werden, haben wir uns einen Überblick über das kulturelle Angebot in unserer Region verschafft.

Da gibt es einerseits die grossen, etablierten Kulturstätten, die einem als Erstes in den Sinn kommen – wie das Stadttheater Olten, das mit einem hochkarätigen Programm immer wieder für grosse Highlights in der Kleinstadt Olten sorgt. Dann gibt es viele kleinere und mittlere Veranstalter, Lokale und Clubs, die zu einem bunten kulturellen Mix beitragen wie in Olten die Schützi, das Theaterstudio, das Coq d’Or, das Galicia, das Provisorium 8 und viele mehr.

Weiter finden in unserer Region grosse mehrtägige kulturelle Events statt, wie die Kabaretttage oder die Tanztage. Und letztlich bereichern viele weitere Organisationen, Schulen und Vereine mit ihren Events und Aufführungen das kulturelle Leben. Gerade bei Letzteren geschieht dies meist ehrenamtlich mit viel Herzblut und Engagement.

Das alles ist von unschätzbarem Wert für eine Region. Ich bin der Meinung, dies wird heute massiv unterschätzt. Dass es eine Region attraktiv macht, weil man als Einwohner von einem reichhaltigen kulturellen Angebot profitieren kann, das liegt noch auf der Hand und wurde in einem Städteranking von Wüest & Partner auch als sehr positiver Faktor unserer Region hervorgehoben.

Doch der Wert geht noch viel weiter. Denn wo viel Kulturelles stattfindet, da begegnet man sich auch oft, tauscht sich aus und da engagieren sich auch viele Menschen. Man denke etwa an all die nicht professionellen Veranstaltungen wie eine Märchenbühne, eine Balletaufführung oder an die Fasnacht.

Damit solche Veranstaltungen überhaupt zustande kommen, braucht es begeisterte Teilnehmer, die ihrem Hobby nachgehen und monatelang proben. Und es braucht unzählige Helfer, die hinter den Kulissen mitwirken. Was da an sinnvoller Beschäftigung, an individueller Entwicklungsmöglichkeit und Leidenschaft, aber auch an Zusammenhalt, Identifikation und Integration entsteht, ist für eine Gesellschaft von unschätzbarem Wert.

Neben der Kultur schafft wohl einzig der Sport eine ähnlich starke Bindung. Genau vor diesem Hintergrund muss auch die Diskussion über den Wert von Kultur unter finanziellen Aspekten geführt werden. Kultur und die damit verbundene Infrastruktur, die Kultur überhaupt ermöglicht und fördert, ist ein beliebter Kandidat für Sparrunden.

Denn die Kultur hat keine starke Lobby. Generiert keinen kurzfristig messbaren «Return on Investment». Schlägt also auf der Einnahmenseite kaum zu Buche. Allerdings werden uns Kürzungen in der Kultur langfristig mit Sicherheit teuer zu stehen kommen.

Dann wird die Politik nicht mehr über Sparmöglichkeiten in der Kultur diskutieren, dafür aber über Unterhaltungs- und Beschäftigungsprogramme für Kinder und Jugendliche. Sorge zu tragen zu unserer kulturellen Vielfalt muss darum ein Anliegen aller politischen Richtungen mit Weitsicht sein.

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