Zugehörigkeit
Das Leimental - eine Liebe auf Distanz

Im Jahr 1515 durch einen Kaufvertrag von den Herren von Rotberg erworben, gehört das hintere Leimental nun seit 500 Jahren ununterbrochen zu Solothurn.

Christian von Arx
Christian von Arx
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Der Ausblick von der Burg Rotberg reicht weit über das Kloster Mariastein hinaus.

Der Ausblick von der Burg Rotberg reicht weit über das Kloster Mariastein hinaus.

Eine so lange Dauer ist nicht die Norm, sondern die grosse Ausnahme im Umfeld der Nordwestschweiz. Die Nachbarn in den Gemeinden des Laufentals etwa gehörten in dieser Zeitspanne zum Fürstbistum Basel und damit zum Reich, danach der Reihe nach zur République rauracienne, zum französischen Département du Mont-Terrible, für 180 Jahre zum Kanton Bern und seit 1994 zu Baselland. Als Schweizer können sie erst seit 1815 gelten. Und die Nachbarn im Elsass wechselten von 1648 bis 1945 fünfmal zwischen Deutschland und Frankreich. Solothurn war nicht das schlechteste Los.

Heute, anlässlich des 500-Jahr-Jubiläums der Zugehörigkeit, scheint die Atmosphäre zwischen den Leimentalern und dem Kanton Solothurn unaufgeregt, entspannt, wenn nicht sogar von Sympathie geprägt. Und das, obwohl das Leimental der am weitesten von der Hauptstadt entfernte Teil des Kantons ist, abgeschnitten vom übrigen Kantonsgebiet. Wirtschaftlich, kulturell und sprachlich gehört es zur Region Basel. Und: Solothurns Steuern gehörten kaum je zu den tiefsten, andere Kantone konnten aus volleren Kassen schöpfen.

Aber Basel hat seine Landschaft 1832 in einem kurzen Krieg verloren und von ihr gerade erst eine überaus deutliche Absage an die Wiedervereinigung erhalten. Bern hat den Nordjura 1979 und das Laufental 1994 nach einem jahrzehntelangen, schweren Konflikt abtreten müssen. Was ist im Solothurnischen anders? Vor allem dies: Der 1830 entstandene, demokratische Kanton Solothurn ist kein Stadtstaat mehr. Keine einzelne Stadt oder Region dominiert, die Gemeinden haben eine starke Stellung. Das ermöglicht auch Regionen mit ausgeprägten Besonderheiten wie dem Leimental ihr Eigenleben. So hat der Kanton den Schwarzbuben etwa in der Bildung Sonderlösungen zugestanden, die auf den Anschluss an die Schulen der Region Basel ausgerichtet sind.

Das Beispiel Leimental zeigt: In der Politik kann eine «Liebe auf Distanz» durchaus langlebig sein. Heute präsentieren sich die fünf Leimentaler Gemeinden als besonders attraktive Wohngegend im Kanton Solothurn. Ihr Steueraufkommen ist höher als der Kantonsdurchschnitt. Und gerade die Vielfalt seiner Regionen macht es aus, dass der Kanton Solothurn ein kleiner Staat und nicht nur eine Verwaltungseinheit ist. – Aus heutiger Sicht war das Leimental ein guter Kauf. Nicht schlecht, wenn man das nach 500 Jahren sagen kann.

@ christian.vonarx@azmedien.ch

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