Wahlen
Wo sind die Basler Ständerats-Kandidaten?

Seit Wochen gibt es genau zwei Basler Ständeratskandidaten: SP-Frau Anita Fetz und Rechtsaussen-Querschläger Eric Weber. Vor kurzem kam noch Grünliberale-Kandidat David Wüest. Wo sind die anderen Ständerats-Kandidaten?

Daniel Ordás
Daniel Ordás
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Ständerätin Anita Fetz. (Archiv)

Ständerätin Anita Fetz. (Archiv)

Kenneth Nars

Zur grossen Überraschung der politischen Akteure im Kanton Basel-Stadt finden im 2015 erneut Ständeratswahlen statt. Während gewisse regionale Medien sich im Durchforsten von persönlichen Daten des Betreibungsregisters üben, wird vom eigentlichen Dilemma der bürgerlichen Wahlkämpfer in Basel abgelenkt. Seit Monaten steht fest, dass Anita Fetz (SP) und Eric Weber (VA) sich um den Basler Ständeratssitz bemühen werden. Nun kann man der Meinung sein, dass zwei Kandidaten schon eine Auswahl darstellen und das ist auch richtig so. Bedenklich ist jedoch das Bild, welches unser Stadtkanton in die Schweiz austrahlt: «Die einzige Alternative zur SP ist ein zu exzentrischen Auftritten tendierender Herr aus dem rechtesten politischen Spektrum, der uns wohl in Bern wenig Ehre und Freude bereiten würde». Als Unterstützer von Anita Fetz könnte ich damit zufrieden sein, dass sie offensichtlich von allen (ausser Weber) für die ideale Basler Vertretung in der Kleinen Kammer gehalten wird.

Das bürgerliche Lager tritt zu den Nationalratswahlen in drei mehr oder weniger willkürlich zusammengewürfelten Listenverbindungen an. Mit dieser Strategie versuchen die Bürgerlichen, ihre drei Nationalratssitze zu verteidigen, was ihr gutes Recht ist. Überraschend ist jedoch, dass SVP, Jungliberale, EVP, FDP-Gewerbe, CVP, EDU, CVP-Senioren, SVP-International, CVP-Frauen, LDP, FDP, Junge Grünliberale, Frauen-SVP, BDP, FDP-Frauen, JSVP, Altliberale, GLP, Jungfreisinnige, Grünliberale Senioren und Jung-CVP in 3 Listenverbindungen mit 21 Listen total 105 Kandidierende haben, welche sich das Amt des Nationalrats zutrauen, dass aber keiner von ihnen sich dem Amt des Ständerats gewachsen glaubt.

Offenbar soll die Alternative rechts der Mitte nur Eric Weber sein. In den letzten Tagen hat nun David Wüest von der GLP, löblicherweise, seine Kandidatur angekündigt. Ob diese Kandidatur vom Listenpartner CVP mitgetragen wird, steht noch in den Sternen. Nachdem nun die GLP vorprescht, gerät die christlichdemokratische Partnerin in Zugzwang. Der amtierende Nationalrat Markus Lehmann wird wohl kaum tatenlos zusehen, wie sein Listenverbindungsrivale die mediale Aufmerksamkeit einheimst. Sollte also aus der Not heraus eine CVP-Kandidatur entstehen, könnte dies den ebenfalls amtierenden FDP-Nationalrat Daniel Stolz aus der Reserve locken, da die erhöhte Medienpräsenz einer bürgerlichen Liste mit zwei Ständeratskandidaten der Verbindung FDP-LDP wohl wenig Freude bereiten würde. Wenn nun Stolz sich zur Kandidatur genötigt sieht, dann kann die Listenfreundin LDP dies nicht kampflos hinnehmen, womit auch die SVP, um nicht kandidatenlos dazustehen, jemanden ins Rennen schicken müsste.

Aus dem traurigen Bild eines Kantons, in welchem ein Herr Weber die einzige Alternative ist, könnte binnen weniger Tage ein Kanton mit sechs bis sieben Ständeratskandidaten werden. Ich bin äusserst zuversichtlich, was die Wahlchancen von Anita Fetz angeht. Ich denke, sie hat mit ihrem Engagement für Basel, fundierter Dossierkenntnis und überparteilicher Beliebtheit eine grandiose Wiederwahl verdient. Ich würde mich aber freuen, wenn auf der Resultateliste der zweite Platz nicht kampflos an Eric Weber gehen würde. Den 21 bürgerlichen Listen empfehle ich, sich im Outlook für 2019 einen «Reminder» zu setzen. Mein feines Gespür sagt mir, dass dann wieder Wahlen sein könnten.

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