Basler Betreibungsamt
Wie wärs mit eigenen Gleisen?

Weil die Pöstler unzuverlässig sind, lässt das Basler Betreibungsamt seine Post künftig von Kantonsangestellten austragen. Ist das eine gute Idee?

Samuel Hufschmid
Samuel Hufschmid
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Das Basler Betreibungsamt lässt sich die Post bald von Angestellten zustellen.

Das Basler Betreibungsamt lässt sich die Post bald von Angestellten zustellen.

Daniel Nussbaumer

Das Basler Betreibungsamt hat ein Problem mit der Post-Zustellung. Auch mehrfaches Nachhaken habe nur temporäre Verbesserungen gebracht, sagt der Amtsleiter. Deshalb habe man entschieden, die Post-Zustellung künftig selber zu machen. Und hat dem Grossen Rat eine Milchbüchleinrechnung vorgelegt, wie das kostenneutral gehen soll, mit zehn Kantonsangestellten nämlich, die per Tram von Wohnungstür zu Wohnungstür fahren und jährlich 70'000 Betreibungen zustellen.

Können Kantonsangestellte dies tatsächlich effizienter als die Post? Denn diese stellt 60 Prozent der Betreibungen jetzt schon ohne Probleme zu, beim ersten Versuch und für unschlagbare acht Franken Porto pro Sendung. Die Post setzt dabei auf hoch automatisierte Sortierzentren, flitzt mit E-Scootern systematisch von Haustür zu Haustür und kann die Kosten tief halten, weil sie auf alle Absender abgewälzt werden können. Skaleneffekt und Synergien nennen sich diese beiden mächtigsten aller Instrumente zur Kostensenkung in der Betriebswirtschaftslehre – den Basler Kantonspöstlern fehlen diese beide.

Fast noch störender aber ist die Grundhaltung des Kantons: Etwas geht nicht, also stellen wir Leute ein und machen es selbst. Was zum Beispiel ist mit den verspäteten Zügen nach Zürich, die auch Basler Kantonsangestellte von Zeit zu Zeit nutzen? Auch diese sind ein grosses Ärgernis, wäre es da nicht angebracht, eigene Zugschienen zu verlegen und ein paar Lokomotivführer einzustellen? Nein. Denn alles hat seine Grenzen. Auch für den Staat.

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