Pro & Kontra
Soll das Lysbüchel-Areal für Wohnungen genutzt werden?

LDP-Grossrat Jeremy Stephenson ist von den Plänen für das neue Quartier Volta Nord überzeugt. SVP-Parlamentarierin Gianna Hablützel-Bürki dagegen fordert, dass die Pläne überarbeitet werden.

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Sollen die Pläne für das neue Quartier Volta Nord überarbeitet werden oder nicht?

Sollen die Pläne für das neue Quartier Volta Nord überarbeitet werden oder nicht?

Erich Meyer
Jeremy Stephenson LDP-Grossrat und Präsident Bau- und Raumplanungskommission

Jeremy Stephenson LDP-Grossrat und Präsident Bau- und Raumplanungskommission

zvg

Pro: «Eine einmalige Gelegenheit für für Bevölkerung und Gewerbe»

Dass wertvolle Flächen wie das Lysbüchel-Areal brach liegen, kann sich Basel-Stadt nicht leisten.

Unsere Stadt braucht attraktiven, bezahlbaren zusätzlichen Wohnraum. Dieser Tage ist die Bevölkerung von Basel-Stadt auf mehr als 200 000 angewachsen und wird in den nächsten Jahren um rund 10 000 weitere Personen anwachsen. Neben neuem Wohnraum braucht es auch Flächen für das Gewerbe. Das 16 Fussballfelder grosse
Areal Volta Nord (Lysbüchel) bietet die einmalige Gelegenheit, beide Bedürfnisse zu befriedigen. Es können Wohnraum für 1 300 BewohnerInnen und Gewerbeflächen für 2 000 Arbeitsplätze geschaffen werden.

Die gesamte Bebauung ist sehr sorgfältig entwickelt worden. Der nördliche Teil des Areals ist für das immissionsintensive und lärmige Gewerbe reserviert. Durch verdichtetes Bauen kann dem Gewerbe mehr Fläche zur Verfügung gestellt werden als bisher. Im mittleren Teil ist eine Übergangszone für lärmarmes Handwerk, Startups, digitales Gewerbe, Ateliers und Ähnliches geplant, die als Lärmpufferdienen soll. Im südlichen Teil wird Wohnraum geschaffen, hiervon 30 Prozent für genossenschaftliches Wohnen.

Das St. Johann- und Volta-Quartier haben in den vergangenen Jahren dank der Verkehrsberuhigung durch die Nordtangente und der Nähe zum Novartis Campus an Attraktivität gewonnen. Nun soll dieses urbane Wohnquartier vom Vogesenplatz und Bahnhof St. Johann gegen Norden ausgedehnt werden. Die Verkehrsanbindung ist optimal. Die neue Schule im Südosten des Areals mit zwei Turnhallen ist bereits beschlossen und wird für die dortige Bevölkerung ein weiteres Plus darstellen.

Das gesamte Gelände erfährt eine weitere Aufwertung durch die 1,25 Hektar grosse Naturschutzzone entlang den Bahngeleisen und dem 4 000 Quadratmeter grossen, begrünten Quartierplatz mitten im Wohnraum. Um die letzten Skeptiker zu beruhigen, hat der Grosse Rat auch beschlossen, die Lärmempfindlichkeitsstufe um fünf Dezibel zu Gunsten des Gewerbes zu senken.

Der nördliche, für Gewerbe und Industrie geplante Teil des Areals ist ausgezeichnet an die grossen Zufahrtsstrassen zur Autobahn angebunden, während das Wohngebiet nur vereinzelt mit Verkehr belastet wird. Das Bedürfnis nach mehr Wohnraum ist belegt und augenfällig, während grosse Fragezeichen bestehen hinsichtlich der Nachfrage nach mehr Gewerbeflächen. Der Gewerbeverband als Gegner der Vorlage hat bis heute nicht konkret aufzeigen können, wie viele Gewerbetreibende auf neue Arbeitsflächen warten.

Bei einem Nein in der Volksabstimmung würde ein sorgfältig abgewogenes Projekt um Jahre zurückgeworfen, wertvolle Flächen würden brach liegen, ein Zustand, der sich Basel-Stadt nicht leisten kann.

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Gianna Hablützel-Bürki SVP-Grossrätin

Gianna Hablützel-Bürki SVP-Grossrätin

zvg

Kontra: «Ein Nein ist der Startschuss für eine bessere Planung»

Der jetzige Vorschlag überzeugt nicht und bringt weder der Bevölkerung noch dem Gewerbe einen Vorteil.

Das Wichtigste vorneweg: Es gibt keinen Zeitdruck. Auch nach einem Ja am 25. November dauert es wegen Baurechtsverträgen und Bodensanierungen noch mindestens drei Jahre, bis mit dem Bau von Wohnungen auf dem Lysbüchel begonnen werden kann. Drei Jahre sind mehr als genug, um eine bessere Planung aufzugleisen. Konkrete Vorschläge gibt es bereits. Mit einem Nein gewinnen wir die Chance auf eine überzeugende Entwicklung des Lysbüchels, die die Bedürfnisse der Bevölkerung, des Quartiers und der Wirtschaft abdeckt. Die jetzige Planung überzeugt nicht. Die Mängel sind offensichtlich.

Unattraktive Wohnlage: Die geplante Wohnüberbauung zieht sich weit in den Norden des Lysbüchels hinein. Dort wären die Wohnungen umgeben von Kehrichtverbrennung, Schlachthof, Chemiefirma und Elsässerbahn. 60 Lastwagen fahren täglich an den Wohnungen vorbei.
Keine klare Trennung der Nutzungen: Gewerbeareale müssen von Wohnraum klar getrennt werden, um Lärmkonflikte zu vermeiden. Das ist beim vorliegenden Ratschlag nicht der Fall. Auch die Behörden gehen von Konflikten aus, deshalb haben sie der Wohnnutzung erhöhte Lärmschutzanforderungen auferlegt.
Renditeobjekt der SBB Immobilien: Die öffentlich-rechtlichen SBB haben das Areal vor mehr als 100 Jahren für Bahnzwecke enteignet. Jetzt möchte SBB Immobilien Lysbüchel mit einer Wohnnutzung vergolden.
Vertreibung von Unternehmen stoppen: Das Gewerbe belebt die Stadt, bietet nahe Serviceleistungen und schafft viele Arbeits- und Ausbildungsplätze. Diese Vielfalt ist gefährdet. Basel verliert gewerblich-industrielle Arbeitsplätze. Es ist möglich, mehr Wohnraum zu schaffen, ohne die beste Gewerbefläche zu zerstören. Auf anderen Arealen, etwa Klybeck und Dreispitz Nord, sind grosse Wohnnutzungen möglich. Die Wohnbautätigkeit in Basel-Stadt ist hoch.

Einen interessanten Alternativvorschlag hat Ende September ein Anwohnerkomitee gemacht. Die Eckpunkte: Mehr Wohnraum im Süden mit einem 15 000 Quadratmeter grossen VoltaPark für die Bevölkerung und einer Gewerbe- und Industriezone im Norden, die klar von der Wohnnutzung abgegrenzt ist. Ärgerlich finde ich, mit welchen Irreführungen die Befürworter von Volta Nord operieren. So wird behauptet, Volta Nord schaffe mehr Platz fürs Gewerbe. Falsch. Die Industrie- und Gewerbefläche soll um fast zwei Drittel verkleinert werden. Oder: Es gebe keinen Bedarf an Gewerbeflächen. Auch falsch. Die Zahlen belegen, dass fast doppelt so viele Firmen aus Basel in andere Kantone wegziehen als umgekehrt. Selmoni, alltech, A+B Flachdach, und wie sie alle heissen. Das sind Hunderte Arbeits- und Ausbildungsplätze.

Deshalb braucht es eine bessere Planung für Basels beste Gewerbefläche.

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