Kommentar
«Schweizerhalle» ist jetzt in China

Heute finden nicht nur problematische Produktionsschritte, sondern auch «Schweizerhalle» anderswo statt – beispielsweise in Tianjing.

Daniel Haller
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25 Jahre nach der Umweltkatastrophe Schweizerhalle
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 Zeitungsverkauf in Basel nach der Brandkatastrophe im Sandoz-Werk in Schweizerhalle vom 1. November 1986.
 Mitglieder des Seuchenkommandos bei den Aufräumarbeiten nach der Brandkatastrophe vom 1. November 1986 in Schweizerhalle nahe Basel. Ueber 8'000 Fässer enthalten den ganzen giftigen Abfall der Sandoz-Katastrophe.
 Die Brandkatastrophe von Schweizerhalle nahe der Stadt Basel in der Schweiz war ein Einschnitt in der jüngeren Geschichte der Region und der Rheinanlieger. Der Chemiebrand am 1. November 1986 bedeutete für die Bevölkerung eine Schreckensnacht und hatte Folgen bis auf die politische Ebene.
 Das Ortsschild von Schweizerhalle, Produktionsstandort zahlreicher Chemie- und Pharmakonzerne wie Novartis oder Ciba SC.
 Der Präsident des Basler Chemie - und Pharmakonzerns Sandoz, Marc Moret, spricht am 21. November 1986 zum ersten Mal nach der Katastrophe von Schweizerhalle zu den Medien in Basel. Moret ist zehn Jahre nach der Fusion von Sandoz und Ciba im 83. Altersjahr gestorben. Der Novartis-Ehrenpräsident starb am Freitag, 17. März 2006 nach längerer Krankheit. Moret gilt als Architekt der am 7. Maerz 1996 besiegelten Fusion von Sandoz und Ciba zur Novartis. Er hatte mit Ciba-Ehrenpräsident Louis von Planta die Fusion eingeleitet. Mit der Fusion trat Moret aus dem aktiven Berufsleben zurück. In seine Amtszeit fiel auch die dramatische Brandkatastrophe im Sandoz-Pestizidlager in Schweizerhalle vom 1. November 1986.
 Bei der Basler Chemiefirma Sandoz bricht am 1. November 1986 kurz nach Mitternacht ein Grossbrand in einer Fabrikationshalle in Schweizerhalle / BL aus. In der durch das Feuer zerstörten Lageralle befinden sich ueber 1000 Tonnen Insektizide und Pflanzenschutzmittel. Durch das giftige Löschwasser, das in den Rhein gelangt, werden über 150 000 Aale getötet. Dieses Bild zeigt das Einsammeln der toten Aale am Rheinufer bei Iffezheim in Baden-Baden / BRD.
 Bei der Basler Chemiefirma Sandoz bricht am 1. November 1986 kurz nach Mitternacht ein Grossbrand in einer Fabrikationshalle in Schweizerhalle / BL aus. In der durch das Feuer zerstörten Lageralle befinden sich über 1000 Tonnen Insektizide und Pflanzenschutzmittel. Unser Bild zeigt die Löscharbeiten durch die Feuerwehr einen Tag nach dem Brand, mit der Detailansicht eines Wasserwerfers in Aktion.
 In Schutzanzuegen und mit Schutzmaske werden am 10. November 1986 bei den Aufräumarbeiten nach der Brandkatastrophe vom 1. November 1986 in Schweizerhalle nahe Basel ausgebrannte Fässer untersucht.
 Eine Menschenkette im Rahmen eines "Internationalen Rheinalarms" am 14. Dezember 1986 reicht von Basel bis in das deutsche Freiburg im Breisgau. Für eine lückenlose Kette werden über 60 000 Menschen benötigt. Am 1. November 1986 kam es in Schweizerhalle nahe Basel in einer Lagerhalle der Firma Sandoz zu einem Grossfeuer, dem über 1'000 Tonnen Insektizide und Pflanzenschutzmittel zum Opfer fielen.
 Sicherheitskräfte der Sandoz befoerdern nach dem Chemieunglueck im November 1986 unsanft einen Fotografen vom Firmengelände in Basel, Schweizerhalle.
 Ein weiterer Chemieunfall im Sandoz-Werk in Schweizerhalle nahe Basel am 9. Dezember 1987. Nach einer Explosion in der Freiluftanlage des Baus 924 geriet die Anlage in Brand.
 Die Brandkatastrophe von Schweizerhalle nahe der Stadt Basel in der Schweiz war ein Einschnitt in der juengeren Geschichte der Region und der Rheinanlieger. Der Chemiebrand am 1. November 1986 bedeutete fuer die Bevoelkerung eine Schreckensnacht und hatte Folgen bis auf die politische Ebene.
 Eine Grosskundgebung, bei der Demonstranten mit einem Transparent mit der Aufschrift "bla bla bla...blabla...bla!" aufmarschieren, anlässlich des Chemieunfalls nach dem Brand vom 1. November 1986. Hierbei kam es in Schweizerhalle bei Basel in einer Lagerhalle der Firma Sandoz zu einem Grossfeuer. Der Oberlauf des Rheins war nach den Löscharbeiten biologisch nahezu tot.
 Die Brandkatastrophe von Schweizerhalle nahe der Stadt Basel in der Schweiz war ein Einschnitt in der jüngeren Geschichte der Region und der Rheinanlieger. Der Chemiebrand am 1. November 1986 bedeutete für die Bevölkerung eine Schreckensnacht und hatte Folgen bis auf die politische Ebene.
 Studenten des Konservatoriums Basel veranstalten in Basel einen Trauermarsch für den Rhein. Auf klassischen und modernen Instrumenten spielen sie Trauermusik und drüüen so ihre Gefühle über die Ereignisse um die Brandkatastrophe in Schweizerhalle aus, aufgenommen im November 1986.

25 Jahre nach der Umweltkatastrophe Schweizerhalle

Silvio Mettler/Keystone

Die Feuerwehrleute waren zu den brennenden Chemikalien vorgedrungen – als diese explodierten: 173 Tote, 797 Verletzte, 17'000 betroffene Wohnungen, 1700 Firmen, 675 Geschäfte...

Nein, das war nicht der Schweizerhalle-Brand, sondern das Explosionsunglück im Hafen von Tianjin im August 2015. Doch zwischen den Katastrophen bestehen Zusammenhänge.

Erstens hätte auch Schweizerhalle explodieren können: Der für Chemikalien vorgesehene Schaum reichte nicht für einen solchen Brand. Also bekämpfte man das Feuer stundenlang mit 400 Liter Wasser pro Sekunde. Wasser setzte die Feuerwehr auch ein, um die Nachbarhalle zu schützen. Was die Männer kaum wussten: Darin lagerte Natrium, das mit Wasser heftig reagiert und hoch explosives Wasserstoffgas freisetzt.

«Die Feuerwehr spielte russisches Roulette», kommentierte Bendicht Hurni vom Baselbieter Amt für Umweltschutz und Energie später. Doch sie und die Region Basel hatten mehr Glück als die Feuerwehrleute und zivilen Opfer in Tianjin.

Zweitens verbesserte die Chemiebranche in Europa zwar die Sicherheitsvorkehrungen, und man verschärfte die Umweltgesetze. Doch angesichts der billigeren Bedingungen wanderte die Chemie nach China ab. Dort leitet man bunte Abwässer ungeklärt in die Flüsse, vergräbt Chemiemüll und setzt Substanzen ein, die hier verboten sind. Hergestellt werden unter anderem über vier Fünftel der Generika-Wirkstoffe.

In der Region Basel verblieben vorab die bezüglich Umwelt unbedenklichen Endschritte der Medikamenten-Herstellung. Heute finden nicht nur problematische Produktionsschritte, sondern auch «Schweizerhalle» anderswo statt – beispielsweise in Tianjing. Es wurde – global gesehen – schlimmer statt besser.

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