Gastkommentar
SBB und das Basler Verkehrs-Departement arbeiten nicht zusammen

«Beinahe zehn Prozent des Basler Stadtareals besteht aus Gleisen. Mit dieser Tatsache muss sich die Stadtplanung auseinandersetzen. Das Bau- und Verkehrsdepartement muss proaktiv auf den Partner SBB zugehen.» Ein Gastkommentar von Oswald Inglin.

Oswald Inglin
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Blick auf einen Teil des Elsässer Bahnhofs (links). Rechts davon soll die unterirdische Querung vom Gundeli wieder ans Tageslicht kommen.

Blick auf einen Teil des Elsässer Bahnhofs (links). Rechts davon soll die unterirdische Querung vom Gundeli wieder ans Tageslicht kommen.

Nicole Nars-Zimmer niz

Es bewegt sich etwas. Die SBB machen am Basler Bahnhof vorwärts in Sachen Querung West, sprich neue Personenunterführung zwischen Passerelle und Margarethenbrücke. 2016 soll ein Vorprojekt dazu vorliegen (die bz berichtete). Und ich habe Angst, dass der Kanton – im wahrsten Sinne des Wortes – den Zug verpasst. Deshalb dieser Brief und deshalb jetzt.

Es stellt sich nämlich die Frage: Ist das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) bereit dazu, auf diesen Zug aufzuspringen? Gibt es Konzepte für eine Weiterführung der Querung etwa via Markthalle in die Stadt? Macht sich die Regierung nun stark für einen attraktiven Zugang zur Personenunterführung beim Meret-Oppenheim-Platz und eine parallel dazu führende Veloquerung, eine Uralt-Forderung eines ganzen Stadtteils?

Ich befasse mich nun schon etwa fünf Jahre intensiv mit dem Bahnhof SBB und seinen Schnittstellen zur Stadt und werde einfach das Gefühl nicht los, dass – trotz gegenteiliger Beteuerungen – eine wirkliche Zusammenarbeit zwischen den SBB und dem Bau- und Verkehrsdepartement nicht stattfindet. Meines Erachtens betrachten die SBB ihr Territorium, das aufgrund der Eigentumsverhältnisse tatsächlich ihr Territorium ist, als Exklave ihres Imperiums, in dem sie nach eigenem Gutdünken schalten und walten können.

Das BVD seinerseits betrachtet meiner Wahrnehmung nach den Bahnhof-Perimeter als extra-territoriales Gelände innerhalb der Stadt und nicht als integralen Bestandteil des Lebensraumes ihrer Einwohnerinnen und Einwohner.

Dabei täte das BVD meines Erachtens gut daran, die städtebauliche Chance des Ausbaus der Querungen West zu erkennen und auf die SBB zuzugehen, allenfalls auch mit dem Versprechen von finanziellen Vorleistungen. Beinahe zehn Prozent des Basler Stadtareals besteht aus Gleisen. Mit dieser Tatsache muss sich die Stadtplanung auseinandersetzen, so interessant andere Projekte, wie etwa die Klybeckinsel, auch sein mögen.

Dass die SBB sich so – sagen wir mal – selbstbewusst verhalten, ist legalistisch gesehen ihr gutes Recht. Andererseits sind sie sozusagen Gast in unserer Stadt und sie tun gut daran, mit ihrer Gastgeberin ein gutes Einvernehmen zu haben.

Heute reagieren die SBB zwar prompt auf politische Vorstösse im Parlament oder Einsprachen der Quartierbevölkerung. Sofort werden die entsprechenden Exponentinnen und Exponenten zu bilateralen Gesprächen mit durchaus hochkarätigen Vertretungen aus Olten oder Bern eingeladen. Man gibt sich freundlich und interessiert, um nachher, wie im Falle der Einsprachen des Neutralen Quartiervereins Gundeldingen zum Umbau des Meret-Oppenheim-Platzes und des geplanten Zugangs zur neuen Personenunterführung West, gnadenlos, jede, aber auch jede kleinste Forderung der Einsprache zu «bestreiten».

Wie die SBB in Sache Mitsprache der Bevölkerung bei solchen Dingen denken, offenbart sich in Sätzen wie: «Ein Anspruch auf Mitwirkung ist nicht ersichtlich. Für die Wahrung der Interessen der Allgemeinheit sind die dafür zuständigen Behörden zuständig», heisst es.

Und doch: Irgendwie begreife ich die SBB. Wenn sich aufseiten Basels nur ein kleiner Quartierverein um städtebauliche Aspekte der Stadt kümmert, schlägt der Goliath unbarmherzig zu, um seine eigenen, vor allem finanziellen Interessen zu schützen. Er hat mit einem Verein nicht den Gegenpart, der zu wirklichen Verhandlungen um Lösungen in beider Interessen führt. Lieber Herr Wessels, nehmen Sie die Interessen der Allgemeinheit wahr, wenn sich diese schon nicht selbst einbringen kann. Vielleicht warten die SBB nur darauf.

Wirkliche Zusammenarbeit findet nur dann statt, wenn beide Seiten aufeinander zugehen. Und hier muss ich, was das Bau- und Verkehrsdepartement betrifft, einfach feststellen, dass sich gar nichts bewegt. Zwar wird in Antworten auf politische Vorstösse immer wieder beteuert, dass das BVD auf die SBB «einwirken» will. Oder es «bedauert» Entscheide der SBB und spricht sein «Missfallen» aus (etwa im bz-Artikel zu den Veloparkings).

Missfallen ausdrücken allein genügt nicht. Das BVD muss proaktiv auf den Partner SBB zugehen. Und das tut es meines Erachtens schlicht nicht. Und die SBB? Sie könnten, so glaube ich, mit relativ wenig Aufwand viel Gutes für die städtebauliche Entwicklung des Basler Bahnhofes tun.

Die Erwartungen eines grossen Teils der Basler Bevölkerung in sie beide sind gross. Lieber Herr Wessels, lieber Herr Meyer: Gehen Sie aufeinander zu. Enttäuschen Sie uns nicht.

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