Mein Leben im Dreiland
Saint-Louis mausert sich zum französischen Zentrum der Region

Unter dem langjährigen Maire Jean Ueberschlag und dem amtierenden Jean-Marie Zoellé entwickelte sich Saint-Louis zum französischen Zentrum der Agglomeration Basels. Mit dem «Forum» hat die Stadt ein tolles Veranstaltungszentrum gewonnen.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Das bronzene «Forum» leuchtet in der Sonne.

Das bronzene «Forum» leuchtet in der Sonne.

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Nein, Basels südelsässische Nachbarstadt Saint-Louis ist mit Sicherheit keine Schönheit. Dennoch hat sich hier in den letzten Jahren viel getan, und der Vorwurf, als graue Schlafstadt nur die Betten der zahlreichen Grenzgänger zu beherbergen, ist schlicht ungerecht. Mit viel Energie hat der langjährige Maire Jean Ueberschlag daran gearbeitet, seine Stadt zum französischen Zentrum der trinationalen Agglomeration Basel zu machen, und das ist ihm und seinem Nachfolger Jean-Marie Zoellé letztlich auch gelungen.

Der vorerst letzte Streich war Anfang Dezember die Einweihung eines grossen Veranstaltungs- und Sportzentrums namens «Forum», die wir kurz vermeldet haben. Mitten in der Stadt, in der Nähe des Marktes, findet sich ein grosses bronzen schillerndes Gebäude mit einer Metallstruktur, das auf einer Fläche von 4650 Quadratmetern Platz für die unterschiedlichsten Aktivitäten bietet. Die Oberfläche erinnert an die rostige Aussenhaut des Kulturzentrums «La Coupole» und stammt von der gleichen Pariser Architektin, Manuelle Gautrand.

Ueberschlag, der das «Forum» am Ende seiner Amtszeit noch initiiert hat, hat, wenn irgend möglich, stets versucht, mit den Mitteln seiner 20 000-Einwohner-Stadt als französisches Zentrum der Agglomeration Basel auf Qualität zu setzen. Das ist auch deutlich spürbar in der Fondation Fernet Branca. Das Kunstmuseum in der Rue du Ballon, das in einer ehemaligen Wermutfabrik untergebracht ist, muss sich mit seiner schlichten, zenmässigen Gestaltung bei weitem nicht verstecken und erinnert gar, wenn auch viel, viel kleiner, ein wenig an die Fondation Beyeler.

Nicht alle sind begeistert

Die sehr urbane Bronze-, Rost- und Metallarchitektur von «La Coupole» und nun dem «Forum» stösst, wie nicht anders zu erwarten, nicht nur auf Begeisterung bei den Einwohnern, wie die Tageszeitung «L’Alsace» von der Einweihung berichtete. Vom Innenleben waren die Teilnehmer dann aber unisono angetan. Eine 1870 Quadratmeter grosse Halle kann mit 1700 Sitzen ausgestattet werden, auf einer Tribüne sind es noch 1000. Ein weiterer Festsaal mit 870 Quadratmetern umfasst 700 Sitzplätze.

Das «Forum» ist für Sportveranstaltungen und Kongresse, für Ausstellungen und Messen ausgerichtet und wird mit dem traditionellen Neujahrsempfang Anfang Januar seine erste grosse Bewährungsprobe haben. Vom 22. bis 24. April wird die grosse Buchmesse, die lange Jahre in alten, abbruchreifen Hallen stattfand und während der Bauzeit in Zelte und Räume bei und in der Mairie zügelte, endlich einen würdigen Veranstaltungsort haben.

Als Jean Ueberschlag 1989 die Mairie als Bürgermeister übernahm, fehlte in Saint-Louis ein Kino. Auch dies, übrigens heisst es wie das Kulturzentrum «Coupole», wurde im Zug der Innenstadtüberbauung beim zentralen Croisée de Lys in der Nähe von Mediathek und neuer Mairie gebaut. Der samstägliche Markt brummt, und zum Glück gibt es, wie kürzlich in einer Kolumne erwähnt, mit «Encrage» wieder eine funktionierende Buchhandlung und Papeterie. Früher gehörte sie ja zu einer Kette, die Konkurs gemacht hat.

Wenn dann Ende 2017 die 3er-Tram-Verlängerung bis zum Bahnhof in Betrieb genommen wird, rückt Saint-Louis noch ein Stück näher. Allerdings ist der französische Teil des Dreilands schon heute leicht mit dem Velo oder alle Viertelstunden mit dem Bus von der Schifflände zu erreichen (Billett zu 1.30 Euro beim Chauffeur). Von einem Ausflug per Auto würde ich allerdings besonders am Samstag abraten.

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