Persönlich
Nette Russen, blöde Schweizer

Nicolas Drechsler
Nicolas Drechsler
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Liebe Innerschweizer und Co. – auch Basler schauen gerne Eishockey.

Liebe Innerschweizer und Co. – auch Basler schauen gerne Eishockey.

SALVATORE DI NOLFI

Da war ich also: In Kopenhagen. In der Royal Arena und schaute mir Hockey-Spiele an. Derzeit läuft die Weltmeisterschaft, ein Freund von mir spielt in einem Nationalteam mit, und ich mag Hockey. Schon seit mich damals mein Grosspapi auf die «Margrethe» mitnahm. Dort durfte ich zuschauen, wie der EHC Basel von irgendwelchen Dorfvereinen verschwartet wurde, so wie an dieser WM in Dänemark die Südkoreaner von den Kanadiern. Die Fanzone in Kopenhagen ist ein lautes, farbiges Riesenfest. Eines, in dem sich alle mögen, vom tätowierten russischen Fan mit Putin-T-Shirt und Rotarmisten-Kappe bis zum slowakischen Unterstützer, der stilsicher das Bewusstsein verliert und von hilfsbereiten Däninnen in den Schatten gezerrt wird, damit er sich die milchige Haut nicht verbrennt.

Alle waren nett zueinander. Wirklich alle. Polizisten versuchten, mit vorgehängter Maschinenpistole einen Puck in eine Torwand zu befördern, schwedischen Fans tranken mit Norwegern um die Wette, und die Österreicher steckten die Niederlagen mit einem Liedchen weg, in dem die Zeile «is doch scheissegol» vorkommt. Ruhe bewahren und weiterfeiern, der Rat aus unserem schwer geprüften Nachbarland.

Und doch wurde ich mehrfach faul angemacht, blöd angezündet, oder wie auch immer man das nennen mag, wenn ein angetrunkener Innerschweizer/Zürcher/Berner oder was auch immer auf einen zustolpert und lallt: «Was macht denn ein Basler an einem Hockeyturnier?!» Das kann ich euch verraten: Hockey schauen. Das kann man auch, wenn der eigene Heimklub in der Gurkenliga 12 spielt. Es gibt ja schliesslich auch Fussballfans in Uri, Schwyz und Unterwalden. Oder noch lustiger: Hockeyfans in Kloten.

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