Der Landbasler
Nachlese zum Jahresbericht der Staatsanwaltschaft

Der Landbasler ist ob einer Zahl des Jahres 2016 erschrocken. Zum Autor: Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. Er lebt in Füllinsdorf.

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Der Landbasler über die Zahl an Fällen, die die Staatsanwaltschaft bearbeiten muss. (Symbolbild)

Der Landbasler über die Zahl an Fällen, die die Staatsanwaltschaft bearbeiten muss. (Symbolbild)

Keystone

Die Titel der Berichterstattungen in den regionalen Medien sind aufschlussreich. Die eine Zeitung setzt als Überschrift «Strafverfolgung in Höchstform», eine andere «So viele Anklagen wie nie zuvor» und die dritte im Bund «Staatsanwaltschaft jagt Rekorde». Gemeint ist die Erläuterung und Interpretation des Jahresberichts 2016 der Stawa Baselland.

Wie immer lässt sich aus einem Rechenschaftsbericht Verschiedenes herauslesen. Der persönliche Standpunkt gewichtet unterschiedlich. Nun widersprechen sich die drei Titel ja keineswegs, denn aus den Berichten ist unschwer zu erkennen, dass die Staatsanwaltschaft bei einer Rekordzahl von Anklagen sehr gute Arbeit geleistet haben muss. Hoffentlich sehen das einige übereifrige Landräte auch so, die bei geringsten Fehlern gleich zu mäkeln beginnen und die Kontrollen verschärfen wollen.

Nun bin ich weit davon entfernt, diesen Jahresbericht auch noch kommentieren zu wollen. Das ist zuerst die Sache der kundigen Journalisten, später der Fachexperten und der zuständigen Landratskommission. Immerhin lässt sich sagen, dass die Arbeit der Staatsanwaltschaft immer auch ein Abbild unserer Zeit und unserer Gesellschaft ist.

In diesem Zusammenhang hat mich nun eine Zahl erschreckt und zum Nachdenken gebracht. Es ist die Zahl 38 976. So viele neue Fälle kamen im letzten Jahr dazu. Ein Zehntel betraf die schwere und arbeitsintensive Kategorie Vergehen und Verbrechen, die übrigen waren Übertretungen. Allein diese Tatsache zeigt, was für ein enormes Arbeitspensum geleistet werden musste.

Ein Aussenstehender wie ich kann da nur ahnen, wie hoch die Belastung für die Staatsanwaltschaft mit ihren Mitarbeitenden ist. Aber wenigstens die politischen Entscheidungsgremien sollten im Bilde sein.

Die zitierte ominöse Zahl hat bei mir jedenfalls eine deprimierende Reaktion ausgelöst. Ist denn unser Kanton bereits derart verlottert und verludert, dass fast vierzigtausend Delikte «bearbeitet» werden mussten und noch müssen?

Ich wäre froh, wenn ich falsch läge und wir tatsächlich nicht zu einer derart «gesetz-brecherischen» Gesellschaft geworden sind. Aber wenn man mir sagt, das sei courant normal und widerspiegle nur den heutigen Zeitgeist, muss ich das dann einfach hinnehmen? Stehe ich dem ohnmächtig gegenüber und kann nur fragen oder Mutmassungen anstellen?

Damit aber begebe ich mich bereits auf das Terrain des politisch Unkorrekten. Gibt die Statistik Aufschluss über die Herkunft der involvierten Personen in Bezug auf die Völkerwanderung unserer Zeit? Zeigen die Integrationsbemühungen nicht die gewünschte Wirkung? Gibt es Zahlen mit vergleichbaren Kantonen? Spielt die Grenznähe des Baselbiets eine Rolle?

Hat die Zahl etwa mit den immer zahlreicheren und engmaschiger formulierten Gesetzen zu tun? War es früher nicht besser, nur die Dunkelziffer höher? Oder soll ich Claude Longchamp, das Orakel bei Umfragen und Statistiken, zurate ziehen? Fragen über Fragen in einer schönen neuen Welt, die mich mehr und mehr verstört.