Mein Leben im Dreiland
Mit zwei Kriegen aufgewachsen

Markus Möhring brachte als Kind den kriegsversehrten Opa ins Bett. Sein Vater kam erst drei Jahre vor seiner Geburt aus der russischen Kriegsgefangenschaft heim. Der Direktor des Dreiländermuseums erhielt den Regio Preis der Regio Basiliensis.

Peter Schenk
Peter Schenk
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Markus Möhring mit Kathrin Amacker, Präsidentin der Regio Basiliensis

Markus Möhring mit Kathrin Amacker, Präsidentin der Regio Basiliensis

zvg

Gerade drei Jahre vor seiner Geburt kam sein Vater 1955 aus der russischen Gefangenschaft nach Hause nach Lörrach. Der Historiker und Direktor des Dreiländermuseums Markus Möhring wurde 1958 geboren, 13 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges. Er sieht sogar seine Generation von den beiden Weltkriegen erheblich geprägt. So gehörte es als Kind zu seinen Aufgaben, seinen Opa ins Bett zu bringen, der bei der Familie wohnte und im 1. Weltkrieg bei Verdun schwer verwundet wurde.

«Jeden Abend legte ich sein Glasauge ins Wasser, gab ihm Tropfen in die leere Augenhöhle, zog im Bett sein Bruchband aus, das tagsüber den Darm stütze und erlebte seine Angstzustände vor dem Einschlafen. Und ich sah die Tränen in seinen Augen, als Monsieur Huo zu uns aus Frankreich kam und sich die beiden alten Männern in den Armen lagen», erinnert sich Möhring.

Er erzählte dies letzten Donnerstag bei seiner Dankesrede bei der Generalversammlung der Regio Basiliensis. Möhring erhielt für seine Verdienste um den Regio-Gedanken die Ehrenmedaille der Regio Basiliensis. Felix Rudolf von Rohr skizzierte in seiner Laudatio die vielfältigen Verdienste und Aktivitäten Möhrings. Mit ihm habe sich das Museum am Burghof nach der Übernahme von seinem Vater vor 16 Jahren «zu einem beeindruckenden trinationalen Museum entwickelt».

Möhring habe aber auch ein trinationales Netzwerk von Geschichtsvereinen geschaffen, führe die Sammlungen badischer Kunst und Malerei weiter und erforsche und beschreibe mit der Schriftenreihe der Lörracher Hefte «immer wieder die lokale Geschichte seiner Heimatstadt. Damit macht er deutlich, dass die Pflege eigener Wurzeln und die Offenheit über die Grenzen kein Widerspruch ist», sagte Rudolf von Rohr.

Möhring machte deutlich, dass die Regio für seine Familie Heimat bedeutete. «Schon als Kind war für mich Basel unser natürliches Zentrum und Freiburg weit weg.» Zugleich aber habe es ambivalente Gefühle gegeben. «Da war bei jedem Grenzübertritt die Angst vor der Kontrolle, die sich von den Erwachsenen auf uns Kinder übertrug und in den 1960er Jahren noch recht penibel war. Auch weiss ich noch gut, wie meine Mutter uns Kindern in Basel zuraunte: Redet leise, damit die Schweizer nicht hören, dass wir Deutsche sind. Das war 20 Jahre nach dem Krieg.»

Er sei mit einem Gefühl aufgewachsen, «dass hier im Dreiland eigentlich alles zusammengehört. Und dass es zugleich auch irgendwie schwierig ist.» Man habe vieles gemeinsam, «aber es gibt auch historisch gewachsenen deutliche Unterschiede zwischen den Ländern.»

Das Dreiländermuseum zeige mit seiner Dauerausstellung zum Dreiland in «einer unerhörten Dichte, in welch einzigartiger Konstellation wir hier leben» und mache bewusst, «wie diese Region am Oberrhein seit jeder zusammengehört», lobte Rudolf von Rohr. Mit jährlichen Sonderausstellungen aus dem Fundus der 50 000 trinationalen Objekte im Depot werde das ganze Spektrum «unserer Lebensgemeinschaft vor Augen geführt.

Er pries Möhring als einen unerhört engagierten Förderer des Regio-Gedankens und als einen grossartigen «Européen de Coeur». Das Publikum war seiner Meinung: Der Applaus war laut und lang anhaltend.

peter.schenk@bzbasel.ch

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