Kommentar
Messeleitung muss genau hinschauen

Wertgegenstände von über einer Milliarde Franken werden an der Baselworld von Amateuren überwacht. Dies weil die grossen Sicherheitsfirmen Subunternehmen engagieren. Dabei sollte die Messe grade in diesem Punkt genau hinschauen.

Benjamin Wieland
Benjamin Wieland
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In den Basler Messehallen lagern während der Baselworld teure Uhren und Schmuck. Weniger edel ist jedoch dieBewachung der Exponate (Messestand an der Ausgabe 2013). Keystone

In den Basler Messehallen lagern während der Baselworld teure Uhren und Schmuck. Weniger edel ist jedoch dieBewachung der Exponate (Messestand an der Ausgabe 2013). Keystone

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Bei einer Messe für Wohnwagen, Solarzellen oder Spielzeug geht das durch. Bei einer Weltmesse für Uhren und Schmuck hingegen, wo Gegenstände im Wert von wohl über einer Milliarde Franken ausgestellt sind, nicht. Dort ist das unwürdig: Security-Personal ohne jegliche Erfahrung und Ausbildung.

Die Baselworld sei sicher. Das bekräftigt die Messeleitung unermüdlich. «Das Risiko für einen Diebstahl», sagte 2013 Peter Holenstein, für die Event-Infrastruktur zuständig, «ist in den Beizen oder in den Verkehrsmitteln der Stadt grösser.» Da hat Holenstein garantiert recht. Was er aber verschwieg: In einem Drämmli oder einer Beiz lagern keine Luxusuhren und auch keine Diamanten. Und der letzte Diebstahl an der Baselworld ist erst gerade vier Jahre her.

Stossend ist auch: Die Messe beisst sich bei ihrer Argumentation in den Schwanz. Die Aussteller sind angehalten, die Sicherheit im Gesamtpaket der Standmiete einzukaufen, zusammen mit der Reinigung und dem Catering. Sie dürfen also nicht selber Wachleute mitbringen oder engagieren – mit Ausnahme der solventen Ankermieter, für die eigene Gesetze zu gelten scheinen.

Die Messe begründet diese Regelung gegenüber den Ausstellern mit der Sicherheit. Fremdes Personal könne man nicht zulassen – das wäre ein zu grosses Risiko. Diese Argumentation ist nachvollziehbar und im Grundsatz richtig. Zumindest ein Unternehmen jedoch, das mit der Sicherheit beauftragt ist, heuert selber Fremdpersonal aus dem Ausland an, das nur lückenhaft überprüft werden kann. Das kümmert die Messe dann offensichtlich nicht mehr.

Dabei sollte die Messe beim Thema Subunternehmen genau hinschauen. Schon beim Messeausbau 2013 gerieten sie und die Generalunternehmerin HRS in die Schlagzeilen, weil auf der Messebaustelle bei ausländischen Handwerkern Lohndumping betrieben wurde. Und dann wäre da noch das Image. Die Standmieten steigen fast von Jahr zu Jahr. Dafür haben die Aussteller Anrecht auf ein perfektes Produkt.

Schlampereien erträgt es also keine. Weitere Diebstähle schon gar nicht. Dafür ist die Baselworld für die Messe, die Stadt, ja, die ganze Region zu wichtig.

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