Der Landbasler
Liestals Lebenslust und Leuchten

Der Landbasler mit Anmerkungen zu den «Baselbieter Genusswochen».

Thomas Schweizer
Thomas Schweizer
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Genusswoche Lange Tafel

Genusswoche Lange Tafel

Die Sonne, der Stab und der Schlüssel sind hier drei alte Wirtshausschilder, die noch immer in der Rathausstrasse hängen, stumme Zeugen von Liestals einstiger Gastlichkeit, etwa zur Zeit der Kaufmannszüge. Sie kamen über Basels Mittlerer Brücke auf holprigen Wegen ins Stedtli. Dort machten sie Halt, Mannschaft und Tiere verpflegten sich, und allerlei Reparaturen wurden vorgenommen. Dann zogen sie weiter über die beiden Hauensteinpässe südlichen und westlichen Fernen zu. Liestals Gastlichkeit ist aber nie verschwunden – nur die Stadtbasler hatten eine Zeit lang so ihre Probleme – ja, sie erlebt heute eine neue Blüte.

Die drei Embleme jedenfalls schauten wohlvergnügt auf jene Tafel hinunter, die man «die Lange» nannte und die ein munteres Völklein an die Tische brachte. Die «Genuss-Schatztruhe Baselland» (Liestals Stadtpräsident) wurde geöffnet, sodass jener Sonntag im späten September zu einem Leckerbissen der Extraklasse wurde. Viel Prominenz, die aber nicht wirklich wichtig war, sogar aus Basel, sollte dem Anlass das festliche Gepräge geben. Die Festlichkeit besorgte die flutende Sonne, die Liestal und alle Gesichter an der Tafel zum Leuchten brachte.

Immerhin zur Prominenz: Unsere fünf blendend aussehenden Nationalrätinnen unterschiedlicher politischer Couleur strahlten für einmal gemeinsam viel Glamour und Eleganz aus. Das lässt sich der smarte Bonvivant und spleenige Landbasler immer gern gefallen. Mir schien, es war ein Moment für die Ewigkeit, weil ich die Rathausstrasse so noch nie erlebt hatte. Kostbare Stunden, die das kleine Liestal für einmal gross machte. Eine lässige Grandezza und beinahe graziöse Italianità lagen auf allen Dingen. Mit einem Male musste ich an die stimmungsvollen und belebten Plätze der noblen oberitalienischen Kleinstädte denken. So lärmig ging es zwar nicht zu, Musiker spielten aber mit viel Verve «Cellikatessen», und ihre Melodien klangen lange in den Gassen nach. Das alles trug zur herzlichen, heiteren, aber nie abhebenden Stimmung bei, wie es sich für Leute von Format geziemt. Ich wünschte mir, dass sich das wiederholen liesse, wohl wissend, dass einzigartige Momente meist auch unwiederbringliche Momente sind.

Dieser Sonntag war purer «Genuss aus Baselland». Regionale Produkte wurden geboten und viel über ihre heutige Bedeutung erzählt. Mein Spleen ist es nun, dass ich diesen Genuss vor allem im oberen Kantonsteil orte. Logisch, das Gebiet ist ländlicher als das in der Nähe Basels. Wenn sich die «Baselbieter Genusswochen» aber weiter entwickeln, würde nicht nur Liestal, sondern das Baselbiet insgesamt mit der ganzen starken Region leuchten. Das muss der Anspruch sein. Die Gastfreundschaft ist ein hoher Wert. Die drei Liestaler Wirtshausschilder geben den «Link», diese Gastlichkeit weiter zu pflegen. Lebenslust und Daseinsfreude, deren wir in heutigen «struuben» Zeiten so sehr bedürfen, aber oft vernachlässigen, sind Lebenselemente, die ihren Ausdruck wesentlich in der Kultur und im Geniessen finden.