Unsere kleine Stadt
Lauter gute Nachrichten

Unsere kleine Stadt im Frühling 2017. Zum Autor: Daniel Wiener liess sich bei der früheren «National-Zeitung» zum Journalisten ausbilden. Er ist Kulturmanager, Unternehmer und Berater.

Daniel Wiener
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Basel ist neu Nummer 10 im Ranking um die attraktivste Stadt der Welt.

Basel ist neu Nummer 10 im Ranking um die attraktivste Stadt der Welt.

Alex Rudolf

Wir Verwöhnten. Inmitten einer turbulenten Zeit platzierte sich unsere kleine Stadt mit ihrer erstmaligen Kandidatur auf Anhieb unter den Top Ten der weltweit attraktivsten Städte: Wir sind die Nummer 10 von 231 Metropolen in der Wertung der Ratingagentur Mercer. Jetzt haben wir es schwarz auf weiss, was wir schon lange wussten. Der Haken: Die Dinge, die das Leben in Basel wirklich lebenswert machen, liebe Leute von Mercer, flossen in die Beurteilung gar nicht ein.

Es sind nämlich weder die global betrachtet tiefen Steuern noch das Bildungsangebot oder die öffentliche Sicherheit, die uns glücklich machen. Solche Errungenschaften sind zwar wichtig, doch nehmen wir sie als selbstverständlich an. Es ist vielmehr das Besondere, das unsere Sinne reizt und Heimatgefühle weckt. Deshalb gibt es für heute eine Auswahl jener «Goodies», die Basel wirklich vom grossen Rest unterscheiden. Da wäre zunächst das milde Wetter. Nördlich der Alpen ist Basel die wärmste Schweizer Stadt mit den meisten Sonnenstunden und der längsten Schwimmsaison. Nirgends flanieren im Sommer so viele in Badehose und Bikini durchs Stadtzentrum wie hier. Solche Qualitäten übersteigen das Auffassungsvermögen des Mercer-Ratings, obwohl es das Klima als Kriterium einbezieht.

Die Grenzlage beschenkt uns nicht nur mit einer höheren Lebensqualität dank mehr Vielfalt an Geschäften, Waren und Preisen. Nach Wunsch haben wir direkten Zugang zu den Vorteilen dreier Länder und mehrerer Kantone. So können wir im Umkreis von einer halben Stunde Fahrt zwischen sechs verschiedenen Regierungs-, Schul- und Steuersystemen wählen, durch Wohnsitzwechsel nach Basel-Stadt, Baselland, Aargau, Solothurn, Baden-Württemberg oder ins Elsass.

Favorit bei der Vermittlung von Heimatgefühlen ist nicht die Fasnacht, sondern der FC Basel 1893. In der Regel verfolgen rund zehn Prozent der Bevölkerung im Schweizer Einzugsgebiet des «Joggeli» die Heimspiele im Stadion. Und in Gedanken ist jedes Kind und jede Oma der Region dabei und weiss ständig haargenau, wie viele Punkte der FCB vor YB in der Tabelle liegt. Zum Vergleich: Auf die bayrische Landeshauptstadt hochgerechnet wäre dies als ob die Münchner Spitzenclubs jeweils 130'000 Matchbesucher hätten. Die Allianz-Arena fasst jedoch nur 75'000 Fans. Basel ist eine Stadt der kurzen Wege. Kaum ein Zentrum auf der Mercer-Rangliste hat so viele öffentliche Einrichtungen hoher Qualität auf so engem Raum zu bieten. Einkaufsmöglichkeiten, Arbeitsplätze, Schulen, Kinos, Theater, Schwimmbäder, Museen oder Baudenkmäler sind in kurzer Zeit zu Fuss oder mit dem Fahrrad erreichbar.

Politisch ist keine Stadt so unabhängig wie Basel. In der ohnehin föderalistischen Schweiz, die viele Kompetenzen den Kantonen und Gemeinden überlässt, fallen diese beiden untersten Staatsebenen in Basel zusammen. Während beispielsweise Genf oder Zürich in etlichen wichtigen Belangen vom Umland abhängen, kann Basel weitgehend autonom entscheiden, so lange die Stadt keine Gelder vom Bund oder von Baselland erwartet. Mit Einnahmen von 2,8 Milliarden Franken für 200'000 Menschen und jährlichen Überschüssen von durchschnittlich 200 Millionen in den letzten zwölf Jahren lässt sich gut haushalten – und vor allem tüchtig in die Zukunft investieren.

Alle diese und viele weitere Vorteile, die die Lebensqualität beeinflussen, spielen im Mercer-Städterating keine oder eine nur sehr untergeordnete Rolle. Und einen Wermutstropfen gibt es trotz allem: Die Gefahr der «Splendid Isolation», wie es die Engländer fast unübersetzbar ausdrücken, lauert hinter der Ecke unserer wunderbaren Stadt. So auch in dieser Kolumne.

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