Unsere kleine Stadt
German for beginners

Unsere kleine Stadt und ihre internationale Gemeinschaft. Zum Autor: Daniel Wiener liess sich bei der früheren «National-Zeitung» zum Journalisten ausbilden. Er ist Kulturmanager, Unternehmer und Berater.

Daniel Wiener
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(Symbolbild)

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Erich Meyer

Es hat sich herumgesprochen, dass unsere Stadt eine hohe Lebensqualität bietet. Sie gilt als malerisch, kinderfreundlich, weltoffen, sicher und kulturell attraktiv. Ihre Lage im Zentrum Westeuropas erlaubt es, unterschiedlichste Freizeitangebote leicht zu erreichen. Deshalb bleiben laut Studien zahlreiche beruflich hoch qualifizierte Einwanderer und ihre Familien viel länger hier, als sie ursprünglich beabsichtigten.

Nicht wenige bleiben für immer. Eines Tages wachen sie auf und stellen fest, dass sie Basel ihr Zuhause nennen. Nur wenn sie Deutsch sprechen müssten, verstummen sie. Ihre Kinder, die in wachsender Zahl nicht mehr private, sondern öffentliche Schulen besuchen, sind FCB-Fans und parlieren Baseldeutsch. Für die Erwachsenen hingegen, bleiben fehlende Sprachkenntnisse das grösste Integrations-Hindernis.

Während früher da und dort einzelne exotische Zungen zu hören waren, ist die Internationalität inzwischen zu einem Markenzeichen Basels geworden. Wegen der wachsenden Zahl anspruchsvoller Jobs wirkt die Stadt wie ein Magnet auf gut Gebildete.

Deren Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und auch im Interesse der hier anstellenden Unternehmen. Vom wachsenden intellektuellen und persönlichen Potenzial dieser Zuzügerinnen könnte Basels Gesellschafts- und Kulturleben enorm profitieren – wenn da nicht die Sprachbarriere wäre.

Zu Beginn haben Neuankömmlinge ganz praktische Sorgen. Sie müssen eine Wohnung finden, zügeln, die Kinder unterbringen, 1000 kleine Dinge organisieren und bei der Arbeit möglichst schnell Kontakte knüpfen. Obwohl sich eine ganze «Relocation»-Industrie gebildet hat, um diesen Prozess zu unterstützen, ist der Übergang ein Stress. Da bleibt auch beim besten Willen keine Zeit für Deutschkurse. Und später kommt auch immer wieder etwas dazwischen. Schliesslich erscheint die Hürde unüberwindbar, und der gute Vorsatz wird immer weiter hinausgeschoben. Dafür schreitet die Integration in die Parallelgesellschaft namens «International Community» voran. So schwindet allmählich der primäre Anreiz, das lokale Idiom zu verstehen.

Intensive Deutschkurse für gut Ausgebildete sind deshalb alternativlos. Es ist kaum zu glauben, aber die anstellenden Firmen finanzieren nicht englischsprachigen neuen Angestellten Einzelunterricht in Englischer Sprache, um deren Integration und Erfolg am Arbeitsplatz zu fördern. Die freiwilligen Deutschkurse für Neuzuzüger, welche der Kanton mit Gutscheinen unterstützt, bleiben hingegen oft wirkungslos. Weil sie entweder nicht besucht werden oder die Klassen zu gross und zu heterogen sind.

Basel-Stadt setzt sich nach Kräften und mit allen Tricks dafür ein, dass die hiesigen Unternehmen zu ihren internationalen Fachkräften kommen. Im Gegenzug sollten die Firmen die ersten zwei Monate nach Ankunft ihrer neu Angestellten für intensive Deutschkurse reservieren. Da die gut Gebildeten per Definition rasch lernen, wären ihre Sprachkenntnisse innert kurzer Zeit auf hohem Niveau. Allenfalls kann der Kanton sogar Anreize bieten, wie beispielsweise eine Steuerbefreiung für diese zwei ersten Monatslöhne. Ein solches Vorgehen hätte für alle Seiten nur Vorteile, für die Stadt, die neuen Nachbarn, die Arbeitgeber und speziell für die Neuzuzüger selbst, inklusive ihre Familien.

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