Der Landbasler
Die Guggenheim-Saga

Der Landbasler freut sich über die Zusammenarbeit im kulturellen Liestal. Zum Autor: Thomas Schweizer ist ein ehemaliger Lehrer am Basler Gymnasium Bäumlihof und heute als Buchautor und Literat tätig. Er lebt in Füllinsdorf.

Thomas Schweizer
Thomas Schweizer
Merken
Drucken
Teilen
Das «Guggenheim» feierte 2017 sein 5-Jahr-Jubiläum.

Das «Guggenheim» feierte 2017 sein 5-Jahr-Jubiläum.

Kenneth Nars

Guggenheim! Der Name bedeutet Weltstadt-Flair und jede Menge Modern Art. Doch ich will ja bloss über das Städtchen schreiben, das ein «Poetennest» war, verschlafen wirkte und rebellisch tat. Es geht nicht um die Museen und Fondations gleichen Namens in grossen Städten wie New York, Las Vegas, Bilbao oder Venedig, sondern um das Kulturhotel Guggenheim in der kleinen Welt von Liestal. Das ist ein Unterschied, aber – so meine ich – es muss die gleiche Hingabe, Freude und Lust für Kunst und Kultur dahinterstecken. Fünf Jahre sind es her, seit das Ehepaar Yvonne und Eric Rütsche die waghalsige Idee hatte, eine ehemalige Viehhandlung in Kultur zu verwandeln. Die Idee hatte Erfolg, das Risiko machte sich bezahlt, es wurde ein erstklassiger Ort, und so feierten letzte Woche die Betreiber das kleine Jubiläum gleich mit einem siebentägigen Festival. Recht hatten sie!

Es gelang den Rütsches und ihren Mitarbeitenden, viele internationale Künstler und die erste Garde der Schweizer Songszene an diesen neuen Hotspot zu engagieren. Mit Erstaunen und Freude hatten wir jeweils die Programme studiert und als am Showbusiness Interessierte einige auch besucht. Wunderbare Abende mit Bands, Sängerinnen und Sängern, verspieltem Entertainment (Michael von der Heide!), Stand-up-Comedy und öfters auch Acts zur Förderung junger Musiker. Was auffiel: Die Vernetzung oder Zusammenarbeit mit den verschiedenen Liestaler Kulturinstituten, z.B. mit dem Dichter- und Stadtmuseum, der Kulturscheune, dem Palazzo, dem Kino Sputnik oder Musikschulen. Bei aller Konkurrenz und Eigenart ist man nun offensichtlich bestrebt, sich lose, aber schlagkräftig zu verbinden. Man hatte in der Vergangenheit ja oft gehört, Liestal sei ein «Holzboden» für Kultur. Heute stimmt das überhaupt nicht mehr. Das kulturelle Angebot ist erstaunlich gross. Man muss es nur wahrnehmen und bereit sein, es zu geniessen. Ich glaube, viele Leute aus der Region haben davon bereits Gebrauch gemacht..

So steht das Kulturhotel Guggenheim für Liestals Aufbruch in die Moderne. Er hat indes bereits vor ungefähr zwanzig Jahren begonnen, denn die Basis wurde damals gelegt. Das muss man unbedingt und anerkennend feststellen. An Liestals Erfolgsgeschichte sind viele beteiligt, neben der Brauchtumspflege auch das Gastgewerbe, das zur Attraktivität des Stedtlis beiträgt. So richtig zum Tragen kommen werden die Bemühungen dann, wenn die Rathausstrasse dereinst in neuem Glanz erstrahlt.

Das Festival begann mit Open-Air-Kino. Zu sehen war am ersten Abend der zwischen Traum und Wirklichkeit schwebende Film «La La Land». Grosses Hollywood-Kino, grosse Gefühle, grosse Story. Ein Spiegel des Kulturhotels? Seine Träume, musikalischen Klänge, Leidenschaft, Kunst und Glück werden die Guggenheim-Saga, vereint mit den andern Kulturanbietern, erfolgreich weitertragen. Das Lächeln der beiden Hauptakteure in der letzten Filmsequenz wirkte auf mich wie das Lächeln einer Spätsommernacht, die Liestal zärtlich in die Arme nahm.