Kommentar
Ach, diese Katzen!

Das wachsende Katzenheer, das jagend durch die Gärten streunt, hat nichts mehr mit Natur zu tun.

Andreas Hirsbrunner
Andreas Hirsbrunner
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Obwohl die meisten Katzen von Besitzern ausreichend ernährt werden, müssen sie ihren Jagdtrieb stillen.

Obwohl die meisten Katzen von Besitzern ausreichend ernährt werden, müssen sie ihren Jagdtrieb stillen.

Thinkstock/Vishnevskiy Vasiliy

Ich bin ein Landei. Und das bin ich vor allem deshalb, weil ich es schätze, dass die Natur fast direkt vor der Haustüre beginnt. So geht es auch den meisten meiner Mit-Landeier. Wobei die Ansichten, was zur Natur zu zählen ist, weit auseinanderdriften. So gibt es Landeier, für die sind Katzen Teil der Natur.

Ich bin da ein Stück weit tolerant: So eine, zwei Hofkatzen, die die Zahl der Mäuse reduzieren, kann ich noch unter Natur abbuchen. Denn die Katzen regulieren einen Schädling. Kritischer wirds hingegen bei der wachsenden Armada von Katzen, die ungefragt durch fremde Gärten streunen, immer auf der Suche nach Vögeln, Blindschleichen, Eidechsen und anderem Getier. Nicht weil sie der Hunger zwingt – den stillen sie aus der Alu-Dose –, sondern aus reinem Jagdtrieb. Das geht vor allem zulasten der Reptilien. Wann haben Sie zum Beispiel letztmals eine Zauneidechse gesehen?

In meinem Dorf beläuft sich der Katzenhaltungsrekord auf kolportierte neun Tiere – offiziell weiss das niemand so genau, weil Katzen ja gebührenfrei sind. Wohlgemerkt, das ist ein Haushalt mitten im Dorf.

Daneben gibt es noch andere kuriose Katzenhaltungsformen. Eine ist die genossenschaftliche. Wie die geht? Der Katzenhalter hat einen modernen Steingarten. Damit lagert er das Versäuberungsgeschäft seines Lieblings an die Nachbarn mit naturnäheren Gärten aus. Ich behelfe mich gegen die wachsende Katzenplage mit einer zugegebenermassen auch nicht ganz natürlichen Methode – einem Hund. Er hält den Garten katzenfrei. Doch sobald er im Haus ist, schleichen sie aus allen Ecken und Enden an auf der Suche nach einem Zeitvertreib in Form eines Vögelchens oder nach einem Toi-Toi.

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