Kolumne
Zurück in die Mutter?

Peach Weber über überforderte Menschen

Peach Weber
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«Jeder hätte doch gern eine einfache Lösung für die komplexen Probleme der heutigen Zeit. Da ist es doch Balsam, wenn ein sogenannter US-Präsident mit dem Intellekt eines Donuts (ohne Füllung) kommt und sagt: Die Probleme gibt es gar nicht, Umweltschutz ist unnötig, Klimaerwärmung, alles fake News!»

«Jeder hätte doch gern eine einfache Lösung für die komplexen Probleme der heutigen Zeit. Da ist es doch Balsam, wenn ein sogenannter US-Präsident mit dem Intellekt eines Donuts (ohne Füllung) kommt und sagt: Die Probleme gibt es gar nicht, Umweltschutz ist unnötig, Klimaerwärmung, alles fake News!»

Evan Vucci

Fühlen Sie sich auch oft von der Welt überfordert? Ich jedenfalls fühle mich dauernd überfordert. Zum Beispiel wenn ich höre, dass die Quasi-Ruine AKW Leibstadt wieder ans Netz geht, ein paar Stunden später wieder abgestellt werden muss, dann plötzlich wieder läuft ... aber nie bestand eine Gefahr für die Bevölkerung! Gerade dieser Satz beunruhigt mich ja am meisten.

Wenn ich sehe, dass eine ganze Industrie die Hälfte ihrer Forschungsgelder nicht in die Verbesserung ihrer umweltverpestenden Produkte steckt, sondern in die Entwicklung einer Bescheiss-Software, die diese Verbesserung vorgaukelt. Die kürzlich bekannt gewordenen Abgas-Experimente mit Affen werfen bei mir nur die Frage auf, warum das Abgas nicht einfach in ein Sitzungszimmer des Verwaltungsrates geleitet wurde, wäre die gleiche Versuchsanlage gewesen. (Dieser Vergleich ist natürlich eine Beleidigung für die Affen, exgüsi.)

Neugeborene ahnen, was kommt

Wenn ich den miserablen Schauspieler sehe, der im Moment den Präsidenten der USA spielt, wie er mit seiner AIR FURZ ONE schnell in Davos einfliegt, um seine Duftmarke zu setzen, und alle Manager und Politiker nehmen willfährig einen Lungenzug. Wenn ich zuschauen muss, wie in Österreich ein smartes Bubigesicht zu einem Kanzler wird, der zwar riesige Ohren hat, aber die Signale nicht hört, die er aussendet, wenn er mithilfe eines Alt-Nazis eine Regierung bildet. Es gibt tausend kleine und grosse Beispiele. Da fühle ich mich ziemlich überfordert.

Manchmal frage ich mich sogar: Ist vielleicht das ganze Leben eine andauernde Überforderung: Vielleicht beginnt sie ja schon mit dem Verlassen des Mutterleibs. Ungefragt wird man, nach neun Monaten Glückseligkeit im warmen Mutterbauch, von erbarmungslosen Wehen in die Welt hinauskatapultiert. Die Neugeborenen ahnen sofort, was auf sie zukommt. Oder haben Sie schon mal ein Frischgeborenes mit einem glücklichen Gesicht und voller Vorfreude gesehen? Ich nicht.

Wenn man vom Storch bei einigermassen vernünftigen Eltern abgeworfen wird, hat man Glück gehabt und bekommt noch eine Schonfrist. Aber auch nette Eltern reagieren doch auf den Hunger des Babys nur, wenn es schreit. Also nochmals die Frage: Sind Sie auch so überfordert? Ich höre Ihr zaghaftes «Ja». Gut, man gibt es nicht gerne zu, schon gar nicht hier in der Öffentlichkeit einer Kolumne, das wirkt uncool.

Doch wir sind in der Mehrzahl. Das grosse Problem ist nur, es gibt viele, die unseren Zustand ausnützen. Da sind die grossen Plauderi, die uns mit wenigen Sätzen die Welt erklären wollen. Darunter auch sogenannte Intellektuelle oder Rhetoriker, die auf hohem intellektuellen Niveau absoluten Schrott erzählen, weil sie gemerkt haben, dass in dieser globalen Verunsicherung ihre Chance gekommen ist, sich als alleinige Heilsbringer aufzuspielen.

Freude über unsere Ratlosigkeit

Sie freuen sich über unsere Ratlosigkeit, denn sie haben diese doch jahrelang mit grosser Energie und massivem Geldeinsatz selber herangezüchtet. Jahrelang haben sie uns eingeredet, es gehe uns hundsmiserabel und es werde noch schlimmer. Davor hat natürlich jeder Angst, auch wenn er gerade in einem Ferrari sitzt.

Und weil es der Mehrheit relativ gut geht, werden Beispiele an den Haaren herbeigezerrt von Menschen, denen es wirklich schlecht geht: Das Grosi, das sein Gebiss verpfänden muss, um die Billag zu zahlen, oder die alleinerziehende Mutter mit 16 unehelichen Kindern ... Diese Demagogen spielen sich als deren Anwalt auf, sogar als Anwalt des Volkes. Dabei interessiert sie der wirklich Arme, der Arbeitslose einen Dreck.

Dass die Menschen, denen es wirklich schlecht geht, den Rattenfängern in die Falle tappen, das ist verständlich, denn sie sind verzweifelt und klammern sich an jeden Strohhalm. Wenn da aber Zahnärzte, Anwälte, Chefredaktoren, Milliardäre an der Spitze des Umzugs mitlaufen, sollte uns das doch hellhörig machen. Und dass wir alle selber auch ein bisschen drauf reinfallen, dafür sollten wir uns ruhig einmal 2 bis 3 Tage schämen. Ich jedenfalls schäme mich, wenn ich merke, dass dieser Sog auch an mir zerrt.

Jeder hätte doch gern eine einfache Lösung für die komplexen Probleme der heutigen Zeit. Da ist es doch Balsam, wenn ein sogenannter US-Präsident mit dem Intellekt eines Donuts (ohne Füllung) kommt und sagt: Die Probleme gibt es gar nicht, Umweltschutz ist unnötig, Klimaerwärmung, alles fake News! ICH verkünde euch das, ICH, der grösste Präsident, den es je gab, mit dem grössten IQ, der je gemessen wurde, oder wie heisst schon wieder das Ding in meiner Hose?

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