Apropos
Zur Hölle mit «LG», «GLG» und «VG»

Rahel Koerfgen
Rahel Koerfgen
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LG», «GLG» und «BG» – an diesen beliebten Grussformeln stört sich unsere Autorin Rahel Koerfgen. (Symbolbild)

LG», «GLG» und «BG» – an diesen beliebten Grussformeln stört sich unsere Autorin Rahel Koerfgen. (Symbolbild)

Keystone/DPA dpa-Zentralbild/Z5466/_BRITTA PEDERSEN

Die Etikette, diese Verschmähte. Der Duden sagt, sie stehe für die Gesamtheit der herkömmlichen Regeln, die die gesellschaftlichen Umgangsformen vorschreiben. Ich finde nicht, dass sie steht, sie wankt vielmehr. Zumindest, was das Schreiben von Grussformeln in SMS oder Mails betrifft. Da lassen sich 90 Prozent meiner Mitmenschen offensichtlich nichts mehr vorschreiben.

Was ist mit «Liebe Grüsse» passiert? Oder mit «Ganz liebe Grüsse», «Beste Grüsse» und «Viele Grüsse»? Wo verstecken sich die hübschen Formeln? In der hintersten Ecke der Regelkammer, unerreichbar, vergessen? Stattdessen werden mir «LG», «GLG», «BG» und «VG» täglich um die Ohren gehauen. Diese lieblosen Kurzformen des Grusses – den Anfang machte «MFG» – haben nur eine Wirkung auf mich, eine sehr negative, verletzende. Ich empfinde sie als respektlos und geringschätzig, sie suggerieren: Für dich nehme ich mir nicht mal die Zeit, den Gruss auszuschreiben. Autsch, das tut weh. Weil Sprach-Verwahrlosung in ihrer pursten Form.

Diese Abkürzungen gehen nie, nicht mal bei schnellen Mitteilungen unter Kollegen. Mensch, das Ausschreiben dauert höchstens zwei Sekunden länger. Zwei Sekunden, die wir uns nehmen sollten, um Mitmenschen gegenüber Respekt auszudrücken. So viel Zeit muss sein. Denken Sie bitte daran, falls Sie mir mal eine Mail schreiben sollten. Danke. Und liebe Grüsse.