Lokführer-Mangel
Zugausfälle sind Warnsignal für Bahnunternehmen

Zwei Züge im Aargau fielen aus, weil ein kranker Lokführer nicht ersetzt werden konnte. Gewiss, das sind nur Einzelfälle. Doch ernst nehmen müssen die Bahnunternehmen dies trotzdem. Der Kommentar.

Fabian Hägler
Fabian Hägler
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Lokführer gilt für manche als Traumberuf – die Realität sieht anders aus. (Symbolbild)

Lokführer gilt für manche als Traumberuf – die Realität sieht anders aus. (Symbolbild)

Keystone

Für viele Jugendliche ist Lokführer auch heute ein Traumberuf: Die Faszination, einen mehrere tausend Tonnen schweren Zug über die Gotthardstrecke zu fahren, die Verantwortung, Hunderte von Pendlern täglich sicher ans Ziel zu bringen und das Gefühl, eine Lokomotive mit ihrer riesigen Kraft im Griff zu haben, üben immer noch eine grosse Anziehungskraft aus.

Wie beliebt die Bahn ist, zeigt sich auch bei anderen Gelegenheiten. Wenn wie kürzlich in Brugg historische Dampfbahnen gezeigt werden oder die S-Bahn Aargau neue Züge einweiht, ist das ein Volksfest.

Doch die Realität des Lokführer-Berufs ist heute weit weniger romantisch. Mit immer dichteren Fahrplänen, mehr Verkehr auf Strasse und Schiene und mehr Signalen hat sich die Belastung für die Lokführer deutlich erhöht. Dazu kommen Schichtarbeit mit Nachteinsätzen und Überstunden – dass unter diesen Umständen krankheitsbedingte Ausfälle zunehmen, ist nicht verwunderlich.

Dass zwei Züge der Wynental- und Suhrentalbahn ausgefallen sind, weil ein kranker Lokführer nicht ersetzt werden konnte, ist als Einzelfall nicht dramatisch. Es ist aber ein Warnsignal für die Bahnunternehmen. Diese haben einen guten Ruf und geniessen viel Vertrauen in der Bevölkerung. Wenn sich Zugausfälle häufen, weil die Firmen sparen und nur ein Minimum an Personal anstellen, drohen sie dieses zu verlieren. Zudem dürfte es noch schwieriger werden, neue Lokführer zu rekrutieren: Wer damit rechnen muss, ständig bis ans Limit belastet zu werden, wählt kaum den einstigen Traumberuf.

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