GE-Stellenabbau
Zu kurzfristig gedacht

General Electric baut im aargauischen Birr rund 100 Stellen ab. Der Kommentar.

Andreas Möckli
Andreas Möckli
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Sie kamen, um abzubauen. Dieser Eindruck verstärkt sich mit der jüngsten Stellenkürzung des US-Industriekonzerns General Electric (GE) im Kanton Aargau. Nach dem Abbau von 900 Stellen in der Region Baden/Brugg im vergangenen Jahr streicht das Unternehmen jetzt weitere 100 Arbeitsplätze in Birr. Doch den Amerikanern einfach das Etikett der eiskalten Sparer anzuheften, wäre etwas gar einfach.

GE ist erst seit 2015 mit der Übernahme der Energiesparte der französischen Alstom in der Schweiz präsent. Allen war klar, dass der US-Konzern bei der schlingernden Alstom eingreifen würde. Dennoch war das Ausmass des Abbaus von 900 Stellen ein Schock für den Aargau und den Industriestandort Schweiz. Mit ein Grund für die rigorose Sparrunde hierzulande waren auch Job-Versprechen, die GE der französischen Regierung abgab.

Heute wie damals reagiert GE auf den tiefen Strompreis, der den ganzen Energiesektor nach wie vor unter Druck setzt. Dennoch machen es sich die Amerikaner mit dem jüngsten Abbau etwas gar leicht. Einen Produktionsstandort zu schliessen, weil zeitweilig Aufträge ausbleiben, ist kurzsichtig. Andere Industriefirmen in der Schweiz haben in jüngster Zeit bewiesen, dass sie eine kurzfristige Flaute durchstehen können. Dies sollte auch einem finanziell gesunden Grosskonzern möglich sein. Denn letztlich gehen nicht nur Arbeitsplätze verloren, sondern auch über Jahrzehnte aufgebautes industrielles Know-how. Statt kurzfristigem Handeln von Quartalsabschluss zu Quartalsabschluss wäre langfristiges Denken gefragt.