Kommentar
Zeitenwende bei den Medien

In den Medienhäusern wird überall der Rotstift angesetzt. Gleichzeitig diskutiert der Nationalrat über Subventionen. Die Medienlandschaft ist im Wandel.

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Christian Mensch

Christian Mensch

CH Media

Es war in den vergangenen Tagen schwierig, den Überblick zu behalten: Die Tamedia kündigte an, im Bereich Publizistik 15 Prozent der Kosten zu sparen. Die NZZ-Gruppe gab rote Halbjahreszahlen bekannt – und eine Fokussierung ihres Geschäfts, was nicht auf einen Stellenausbau hindeutet. Ringier strich 35 Stellen bei Magazinen. CNN Money Switzerland meldete den Konkurs an. SRF-Direktorin Nathalie Wappler stellte einen radikalen Umbau in Aussicht, dem Stellen zum Opfer fallen würden.

Gleichzeitig debattierte unter der Bundeshauskuppel die zuständige Kommission des Nationalrates über eine massive Aufstockung der Subventionen für die privaten Medien. Nur die SVP hat grundsätzliche Skepsis ob der Grosszügigkeit der ersten und zweiten gegenüber der vierten Gewalt im Staat. Die übrigen Parteien veranstalten ein Seilziehen, ob auch die Subventionierung der Online-Medien im ersten Aufwisch durchgewinkt werden soll oder ob die Einführung dieser grundsätzlich neuen Subvention nicht doch einer weiteren Reflexionsrunde bedarf.

Das eine, die Hiobsbotschaften der Medienunternehmen, hängt zweifellos mit dem anderen zusammen, der politischen Bereitschaft, Geld zu sprechen. Doch wie?

Die Tamedia hat klargemacht, dass sie unbesehen von den Bundesmillionen den Sparstift ansetzen wird. Dies bringt die Politiker ins Grübeln, weil sie nicht verstehen, weshalb sie Gelder zur Rettung von Journalismus sprechen sollen, wenn Medienschaffende dennoch ihre Arbeitsplätze verlieren. Ebenso erklärungsbedürftig ist, weshalb die Medienhäuser den Online-Vertrieb ihrer publizistischen Inhalte mit Hochdruck vorantreiben, ihr Geld aber weiterhin vor allem mit der gedruckten Zeitung verdienen – und dafür vom Bund finanziell stärker unterstützt werden wollen.

Tatsache ist: Wir erleben gerade eine Zeitenwende. Nebeneinander herrschen überkommene Strukturen, deren Halt weitgehend auf Nostalgie beruht, und künftige, die sich erst als Konturen abzeichnen.

Es wäre eine spannende Zeit, hätten nicht alle Akteure derart Mühe, sich in der hohen Kadenz der Ereignisse zurechtzufinden.

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