Kommentar
Zeit für schlagende Argumente

Benjamin Rosch
Benjamin Rosch
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Ein Polizist tritt auf einen Verdächtigen ein, der von zwei Kollegen am Boden festgehalten wird. So stark, dass sich das Profil seiner Schuhe noch fast einen Tag später an den Gesichtsverletzungen des Opfers lesen lässt. Ein Fussballfan vermummt sich mit vielen Kollegen.

Er wirft einen Stein ins Fenster eines leeren Polizeiautos. Der erste erhält eine bedingte Geldstrafe von 18 000 Franken, bei einer Probezeit von zwei Jahren. Der zweite erhält er eine Freiheitsstrafe von

16 Monaten bei einer Probezeit von vier Jahren. Die zwei Fälle, die innert Wochenfrist für Schlagzeilen sorgten, lassen sich nur bedingt vergleichen. Dennoch lassen sich zwei Erkenntnisse daraus ableiten.

Zum einen schützt das Schweizer Gesetz das Vermögen stärker als das Leben. So liegt die höchstmögliche Strafe für einfachen Diebstahl bei fünf Jahren Freiheitsentzug, bei fahrlässiger Tötung sind es nur drei.

Zum anderen sind Fussballfans eine Randgruppe, deren Vergehen zunehmend politisiert werden. Das geschieht immer, wenn sich die Öffentlichkeit stark empört. Meist sind es sehr sichtbare Verbrechen, die medial eng begleitet werden. Die Fans sind ein öffentliches Ärgernis, sie müssen mit der vollen Härte der Justiz rechnen.

Deshalb werden vergleichbare Taten anderer Tätergruppen deutlich milder geahndet. Doch dafür fehlen echte Argumente. Einen Stein in ein Polizeiauto zu werfen, wie es der junge Aargauer im April 2016 tat, ist gefährlich, dumm und zu verurteilen. Aber bei allem Zorn über Randale, Ausschreitungen und Krawall: Ein Mensch sollte immer mehr wert sein als ein Auto.