Plakatwald
Wohin führt das noch?

In Baden will die Stadtpolizei nun durchgreifen und nicht korrekt aufgehängte Wahlplakate entfernen. Was soll man davon halten? Der Kommentar.

Roman Huber
Roman Huber
Merken
Drucken
Teilen

Diese Feststellung teile ich nicht allein: Von Wahlen zu Wahlen ist es bislang stets schlimmer geworden. Und jedes Mal wächst auch der Unmut in der Bevölkerung. Es gibt bereits Stimmberechtigte, die notieren auf ihrem Wahlzettel nur Namen, die sie noch nirgends auf einem Wahlplakat entdeckt haben. Es ist tatsächlich nicht von der Hand zu weisen: Die wilde Plakatiererei hat das erträgliche Mass überstiegen.

Zugegeben: Mir persönlich, als Lohnbezüger dieses Unternehmens, gefallen diejenigen National- und Ständeratskandidaten am besten, die mir in dieser Zeitung als bezahlte Inserate entgegenlachen. So betrachtet, empfinde ich jeden noch so sympathischen von Kandelabern und Plakatwänden herunterschielenden Blick als hämisches Grinsen.

Was zurzeit entlang unserer Strassen steht, ist für die Bürger eine Zumutung. Es wäre ausserdem interessant zu erfahren, wie hoch sich Kosten und Materialverschleiss für diese masslose Plakatiererei belaufen. Aus dieser Perspektive haben diese plakatierten Parlamentarier in spe bei ihrem ersten Polit-Test kläglich versagt, denn ihre die Landschaft verunstaltende Werbeaktion würde keiner Kosten-Nutzen-Analyse standhalten – oder sie wurde vom eigenen Werbefachmann gemacht.

Hand aufs Herz: Wir brauchen Menschen, die sich politisch engagieren. Doch sie mögen uns in Zukunft nicht mehr von Kandelabern herunter anglotzen und bis zur eigenen Haustüre verfolgen. Vielleicht verlagern sie sich künftig auch vermehrt ins Netz, auf Facebook, Twitter oder sonst wohin. Egal: Bei der Plakatierung braucht es keinen «Gesichtstest», keinen Schönheitswettbewerb, sondern einfach mehr Vernunft – oder eben die Polizei, die herunterreisst, was nicht korrekt hängt.