Café Fédéral
Wofür F, D und P in FDP wirklich stehen

Dennis Bühler
Dennis Bühler
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Zollikon an der Zürcher Goldküste gilt als Bonzengemeinde. Der extrem tiefe Steuerfuss lockt Superreiche an, die ihr Vermögen schützen wollen, ohne auf die Annehmlichkeiten der angrenzenden Stadt Zürich zu verzichten. Um den Steuerfuss nicht erhöhen zu müssen, nimmt Zollikon einiges in Kauf:

Vor fünf Jahren schränkte der bürgerliche Gemeinderat vorübergehend den Winterdienst ein, liess Graffiti in Unterführungen nicht mehr entfernen, strich den Schülern den Skitag und den Empfangsdamen im Gemeindehaus den Blumenstrauss.

Gemeindeversammlungen werden nur stark frequentiert, wenn es eine Erhöhung des Steuerfusses zu verhindern gilt. Vor zwölf Tagen aber pilgerten über 800 Bürger in den Gemeindesaal, um über die Zukunft des Dorfkerns zu befinden. Sollten einheimische Genossenschaften günstigen Wohnraum erstellen dürfen, damit auch Familien ohne ganz dickes Portemonnaie nach Zollikon ziehen können? Oder sollte der Auftrag an eine Stadtzürcher Genossenschaft gehen und im Untergeschoss der Siedlung ein Grossverteiler eröffnen, der mehr Leben, aber auch mehr Verkehr brächte? Überraschend deutlich votierten die 805 Anwesenden gegen die Exekutive und für die teurere Variante mit einheimischen Genossenschaften und ohne Grossverteiler. Der Gemeinderat aber hatte einen letzten Pfeil im Köcher: Beat Walti, den einzigen Zolliker Nationalrat.

Das FDP-Aushängeschild stellte den Antrag, die Abstimmung an der Urne zu wiederholen – und erzielte knapp das nötige Quorum eines Drittels. Ganz Zollikon aber fragt sich seither, wie seine Bürger in Zukunft zur Teilnahme an Gemeindeversammlungen motiviert werden sollen. Und ob FDP neuerdings «Für Demokratie- und Politikverdrossenheit» bedeutet.

dennis.buehler@azmedien.ch

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