Fahrländer
Wo ich mit Frau Roth einig gehe

Der ehemalige Chefredaktor der Aargauer Zeitung stimmt der SVP-Regierungsrats-Kandidatin Franziska Roth zu, dass man teilweise grössere Klassen fordern kann. Wäre da nicht ein grosses «Aber»

Hans Fahrländer
Hans Fahrländer
Merken
Drucken
Teilen
Hans Fahrländer ist ausnahmsweise mit Franziska Roth einer Meinung.

Hans Fahrländer ist ausnahmsweise mit Franziska Roth einer Meinung.

Chris Iseli

SVP-Regierungsratskandidatin Franziska Roth hat im Brugger Lokalblatt «Regional» ihre Forderung nach einer Schule wie vor 40 Jahren wiederholt. Damit sind Leserbriefe von SVP-Exponenten, Roth sei von Journalisten falsch zitiert worden, künftig obsolet: Sie meint es wirklich so. In einem Punkt allerdings legt Franziska Roth Wert auf eine Präzisierung: Wenn sie 10 Schüler mehr pro Klasse fordere, gehe sie nicht von «vollen» Klassen mit 25 Kindern aus, sondern von «unterbelegten» mit 14 Kindern oder weniger.

Und plötzlich klingt diese Forderung nicht mehr abstrus, sondern ziemlich berechtigt. Auch ich habe wiederholt auf diese Mini-Klassen hingewiesen, die das System massiv verteuern. Das Dumme ist bloss: Unterbelegte Klassen finden sich vor allem in kleinen Schulen in kleinen Gemeinden. Wer also – sei es aus Gründen der Lerngerechtigkeit oder zur Ausschöpfung des Sparpotenzials – überall volle Klassenbestände fordert, nimmt in Kauf, dass Primarklassen über Dorfgrenzen hinweg zusammengelegt und kleinere Kommunen ihrer Schule beraubt werden müssten. Dörfer ohne Schule – will das Franziska Roth? Will das die SVP? Jedenfalls: Die Debatte ist lanciert. Wir sind gespannt auf die Fortsetzung.

Hans Fahrländer

war Chefredaktor der Aargauer Zeitung und schreibt über Aargauer Politik.

hans.fahrlaender@azmedien.ch

Die Sommerferien sind vorbei, die Spardebatte ist wieder da. Auch im nächsten Jahr will die Regierung an der Schule Aargau sparen. Nachdem die Forderung «Kein Abbau am Angebot für die Kinder!» bis weit ins bürgerliche Lager hinein salonfähig geworden ist, nimmt man nun vor allem die Lehrkräfte ins Visier: mit dem Abbau von Lohnzusätzen, mit Pensumserhöhungen und erneut einer Lohn-Nullrunde. Wer allerdings meint, damit «schone» man die Kinder, der irrt: Die Abwanderung guter Lehrkräfte in die Nachbarkantone wird zunehmen, ebenso der Anteil an nicht stufengerecht ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern im Aargau. Uns graut vor dieser Entwicklung.

Ist Sparen an der Schule eigentlich eine Art Querfinanzierung von den Jungen zu den Alten? Auf diese Idee könnte man kommen, wenn man bedenkt: Einer der am aggressivsten wachsenden Ausgabenposten im Staatshaushalt ist der Kantonsanteil an den Spitalkosten. Er steht zurzeit bei 53 Prozent, sollte aber laut Gesetz mindestens 55 Prozent betragen. Die Spitalkosten steigen und steigen – und am meisten Kosten werden ja im letzten Lebensjahrzehnt der Patienten generiert. Der Staat blutet und blutet – und sucht verzweifelt nach Einsparpotenzial. Und findet es in der Schule. Eine verrückte Geschichte, die gelegentlich einer Grundsatzdebatte im Grossen Rat bedürfte.