Apropos
Wir waren Charlie – aber nur ganz kurz

François Schmid
François Schmid
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Der Slogan "Je suis Charlie" erinnert an den Anschlag auf die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris. (Archivbild)

Der Slogan "Je suis Charlie" erinnert an den Anschlag auf die Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" in Paris. (Archivbild)

KEYSTONE/EPA ANSA/ANGELO CARCONI

Knapp drei Jahre sind vergangen, als Chérif und Saïd Kouachi mit Sturmgewehren die Redaktion der französischen Satire-Zeitschrift «Charlie Hebdo» stürmten, zwölf Menschen erschossen und dabei «Allahu akbar» schrien. Der Terrorakt wurde als Attentat auf unsere Meinungs- und Pressefreiheit gewertet.

Die Grundfesten der westlichen Welt wurden erschüttert. Und wir fragten uns: Was sind das für Menschen, die uns vorschreiben wollen, was wir lesen, denken und drucken dürfen? Wer sind diese selbst berufenen Zensoren, die bestimmen wollen, worüber wir lachen sollen und worüber nicht? Der Tenor: Wir müssen Kante zeigen. Der Refrain: Wir sind Charlie.

Die westliche Welt war Charlie. Selbst jene, die das Heft nie zuvor in den Händen gehaltenhaben. Das ist nicht weiter schlimm. Schliesslich ging es auch darum, Freiheit und Demokratie zu verteidigen. Charlie wurde zum Hype.

Aber es folgten weitere Terrorakte in der westlichen Welt. Und Charlie ging bald einmal vergessen. Kürzlich wurde beschlossen, die deutsche Ausgabe von «Chalie Hebdo» nach nur einem Jahr einzustellen. Eine Meldung, von der kaum jemand Notiz nahm. Schade eigentlich. Waren wir nicht alle ganz fest und mit vollem Herzen und allem Drum und Dran mal «Charlie»?

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