Café Fédéral
Wilde Arbeitsbeschaffung

In der letzten Woche wurde die Medienmitteilung zum Thema «Wildfleischimporte mit exotischer Geschmacksnote» verschickt. Nur warum?

Antonio Fumagalli
Antonio Fumagalli
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«Wildfleischimporte mit exotischer Geschmacksnote»

«Wildfleischimporte mit exotischer Geschmacksnote»

KEYSTONE/ARNO BALZARINI

Es scheiden sich bekanntlich die Geister an der Frage, welche Jahreszeit die schönste ist. Für Jäger gibt es keinen Zweifel: der Herbst. Nur dann dürfen sie, die Flinte geschultert, durch die Wälder ziehen. Pilze suchen sie nicht. So tüchtig die Männer (und vereinzelten Frauen) in Grün auch sind: All die Hirsche, Rehe und Wildschweine, die sie schiessen (dürfen), reichen nicht aus, um den Appetit der Schweizer Konsumenten zu decken. Also wird importiert.

So weit, so gut. Die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) nimmt dies aber gleich zum Anlass, den Import von Wildfleisch mal etwas «näher zu betrachten»: Unter dem Titel «Wildfleischimporte mit exotischer Geschmacksnote» erklärt sie uns in einer Medienmitteilung, dass die Einfuhren von Wildbret in den letzten zehn Jahren einem «negativen Trend gefolgt» seien und 2015 nur noch 3744 Tonnen betrugen – was immer noch 450 Gramm pro Einwohner sei. Dazu eine feinsäuberliche Auflistung der zehn wichtigsten Importländer inklusive prozentualer Veränderung. Wer es noch genauer wissen möchte, kann sich mittels mitgelieferter Telefonnummer mit dem Senior Economist der Sektion Diffusion und Analysen der EZV in Verbindung setzen.

Dass der Bund die Öffentlichkeit proaktiv informiert, ist lobenswert und im internationalen Vergleich nicht selbstverständlich. Dennoch muss die Frage erlaubt sein, ob wirklich jedes Communiqué notwendig ist. Der Erkenntnisgewinn der Mitteilung über die Wildbret-Importe bleibt gering und abgesehen von dieser Kolumne wird – diese Wette gehe ich ein – kein Medium darüber berichten. Was bleibt, ist nicht ein exotischer, sondern ein fahler Geschmack: Nämlich, dass das Heraussuchen der Daten letztlich nicht viel mehr als eine Arbeitsbeschaffung war. Immerhin eine wilde.