Mensch & Medien
Wie die SDA die SRG rettet

Christian Mensch
Christian Mensch
Merken
Drucken
Teilen
Christian Mensch: «Dass die SDA-Mitarbeiter Anerkennung finden, wo SRG-Mitarbeiter eher auf Häme stossen, ist nicht frei von Ironie.»

Christian Mensch: «Dass die SDA-Mitarbeiter Anerkennung finden, wo SRG-Mitarbeiter eher auf Häme stossen, ist nicht frei von Ironie.»

Keystone

Die Mitarbeiter der Schweizerischen Depeschenagentur (SDA) streikten vier Tage. Sie protestieren gegen den Kahlschlag in ihrer Redaktion, gegen die Härte, mit welcher dieser vollzogen wird. Und erhielten dafür erstaunlich viel Wohlwollen.

Plötzlich scheint aufzukommen, was in den vergangenen Wochen allenfalls mit umgekehrten Vorzeichen zum Ausdruck gekommen ist: eine Wertschätzung gegenüber Journalisten und ihrer Arbeit. Mit dem SDA-Streik findet eine Haltung Gehör, die es in der ganzen No-Billag-Debatte nicht auf die Traktandenliste schaffte: Eine verlässliche Medienberichterstattung hat einen hohen gesellschaftlichen Wert.

Dass die SDA-Mitarbeiter Anerkennung finden, wo SRG-Mitarbeiter eher auf Häme stossen, ist nicht frei von Ironie. Nimmt der Medienkonsument doch kaum zur Kenntnis, was der Nachrichtendienst an Informationsvermittlung leistet. Dieser liefert nicht nur die Rohware für die News für alle Kanäle, er versorgt vor allem die anderen Journalisten mit Informationen, auf denen diese ihre Berichte aufbauen.

Mit der grundsätzlichen Einsicht, dass Medien einen Wert haben, der etwas kostet, ist schon viel gewonnen. Wer sie verinnerlicht, kann schwerlich ein konzeptloses Niederreissen der SRG befürworten, wie dies in der No-Billag-Initiative angelegt ist.

Einsicht allein löst jedoch noch keine Probleme. Weder diejenigen der SRG, die im gesellschaftlichen Diskurs herauszufinden hat, welcher Service public wirklich nötig ist. Nicht jene der Verleger, die zugleich Aktionäre wie Kunden der SDA sind. Und schon gar nicht jene der SDA-Mitarbeiter, die um ihre Arbeitsplätze kämpfen. Doch ein Anfang ist gemacht. Streik sei Dank.