Kommentar
Weshalb die Olympischen Spiele zum Spielball der NHL verkamen

In der Nacht auf Freitag ging der World Cup of Hockey zu Ende, mit dem zu erwartenden Sieger Kanada. Ein Kommentar darüber, weshalb der Cup trotz grossem Staraufgebot ausserhalb von Kanada nicht sehr viele Leute zu erreichen vermochte.

Marcel Kuchta
Marcel Kuchta
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Die Kanadier um ihren Captain Sidney Crosby (87) gewannen den World Cup of Hockey souverän.

Die Kanadier um ihren Captain Sidney Crosby (87) gewannen den World Cup of Hockey souverän.

Keystone

«Was ist das für ein Turnier?» Wenn man in den letzten zwei Wochen mit normal sportinteressierten Menschen über den World Cup of Hockey zu reden versuchte, dann wurde man in der Regel mit verständnislosen Blicken bedient. Dabei massen sich in Toronto die besten Eishockeyspieler der Welt. Alle NHL-Stars waren mit von der Partie.

Mit der Schaffung der zwei künstlichen Teams «Nordamerika», in dem die besten U23-Talente der USA und Kanadas zusammengefasst wurden, und «Europa», das ein Sammelbecken für alle Europäer ausserhalb von Russland, Schweden, Finnland und Tschechien bildete, war die Qualität des spielenden Personals so hoch wie noch nie in der Geschichte des internationalen Eishockeys.

Tomáš Tatar ist bei den Detroit Red Wings seit Jahren eine feste Grösse.

Tomáš Tatar ist bei den Detroit Red Wings seit Jahren eine feste Grösse.

Keystone

Trotz des immensen Star-Aufgebots blieb das Echo ausserhalb von Kanada bescheiden. Auch in der Schweiz. Obwohl im Team Europa immerhin vier Schweizer Spieler dabei waren. Und obwohl diese von unserem Ex-Nationaltrainer Ralph Krueger gecoachte, zusammengewürfelte Truppe den Einzug in die Finalserie schaffte, in der sie an den überragenden Kanadiern scheiterte (1:3- bzw. 1:2-Niederlagen).

Wie sollte man also den Leuten Sinn und Zweck dieses «World Cups» erklären, wenn doch schon jedes Jahr eine Eishockey-WM stattfindet, an der auch das reguläre Schweizer Nationalteam teilnimmt? Ganz einfach auf den Punkt gebracht geht es der nordamerikanischen Profiliga NHL, die das alle vier Jahre stattfindende Turnier organisiert, in erster Linie um den kommerziellen Aspekt.

Mit dem World Cup of Hockey lässt sich prächtig Geld verdienen. Er findet in Nordamerika statt und kann entsprechend zur besten Sendezeit im TV übertragen werden. Ausserdem hat im September die NHL-Saison noch nicht begonnen. Man muss also weder die Meisterschaft unterbrechen noch setzt man die Spieler zu einem heiklen Zeitpunkt einem grösseren Verletzungsrisiko aus.

Mit dem «World Cup of Hockey» wollte die NHL aber vor allem die Muskeln spielen lassen. Mit der Reaktivierung eines Turniers, das letztmals vor zwölf Jahren ausgetragen worden war, geht es auch darum, die ungeliebte Teilnahme an den Olympischen Spielen (seit 1998 sind die NHL-Profis dabei) in Zukunft zu verhindern.

Die NHL-Spieler, die den sportlichen Wert der Olympischen Spiele über jenen des World Cups stellen, wollen unbedingt auch 2018 nach Pyeongchang (Südkorea). Die Liga selber hat null Interesse. Nicht nur die oben genannten Punkte sprechen gegen einen Auftritt der NHL-Spieler, sondern auch die Weigerung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und des internationalen Eishockeyverbands (IIHF), die Reise- und Versicherungskosten für die Stars aus Nordamerika zu übernehmen.

Die NHL-Bosse um Commissioner Gary Bettman machten mit dem World Cup viel Geld.

Die NHL-Bosse um Commissioner Gary Bettman machten mit dem World Cup viel Geld.

Keystone

Doch letztlich könnte ausgerechnet die Gier der NHL dafür sorgen, dass es doch zu einer Einigung betreffend Olympia kommt. 2022 finden die Winterspiele in Peking statt. Auf den Milliardenmarkt China sind sogar die NHL-Bosse scharf. Eine Teilnahme an den Spielen in der chinesischen Hauptstadt könnte ungeahnte finanzielle Möglichkeiten eröffnen.

IOC und IIHF drohen nun damit, dass die NHL-Profis nur dann nach Peking dürfen, wenn sie auch 2018 dabei sind. Die Olympischen Spiele verkommen also vollends zum Spielball der Eishockey-Mächtigen. Und: Was ist, wenn die NHL ihren Spielbetrieb 2022 auch ohne Einigung freiwillig unterbricht? Verbietet der IIHF den Nationalteams dann, ihre Stars aufzubieten? Fortsetzung folgt.