Polemik
Werdet wieder politisch, Sportler!

Simon Häring
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Sportler wie Roger Federer halten sich aus der Politik raus.

Sportler wie Roger Federer halten sich aus der Politik raus.

KEYSTONE/AP Getty Images/SCOTT BARBOUR

Nach Roger Federers Sieg in Australien hatte die Frage Hochkonjunktur: Wer ist der grösste Sportler aller Zeiten? Auch wir warfen unseren Hut in den Ring und erklärten Federer zum grössten Spieler der Tennis-Geschichte. Die Leistungen unbestritten, das Auftreten makellos, der Ruf bestens. Dazu sein unermüdlicher karitativer Einsatz für Kinder in Afrika.

Nach seinem Sieg wird er gefragt, ob Sport in diesen unsicheren Zeiten helfe. Federers Antwort: «Ich weiss es nicht. Am Ende des Tags bleibt es nur Sport. Aber er ist ein wunderbares Werkzeug.» Schlau, diplomatisch, inhaltsleer. Politische Äusserungen umschifft Federer. Das ist sein gutes Recht. Aber weil es um sehr viel Geld und Macht geht, sind Versuche, Sport und Politik zu trennen, zum Scheitern verurteilt. Proteste in Rio, Sotschi und Peking zeigen das.

Andere haben diese Bühne für sich genutzt: Muhammad Ali verweigerte den Dienst in Vietnam. Tommie Smith, Olympia-Sieger 1968, lehnte sich mit erhobener Faust, dem Symbol für «Black Power», gegen Rassismus auf. Heute gibt es das nur noch selten. Man würde sich ein anderes Bild wünschen. Darum der Appell: Werdet politisch, liebe Sportler!