Mensch & Medien
Wer trägt die Verantwortung für Vielfalt?

Christian Mensch
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Das Joint Venture zwischen AZ Medien und NZZ Regionalmedien wurde bewilligt.

Das Joint Venture zwischen AZ Medien und NZZ Regionalmedien wurde bewilligt.

Foto: Keystone/Pixabay; Montage: Elia Diehl

Erleichterung bei den einen, Ernüchterung bei den anderen. Erneut hat die Wettbewerbskommission Zusammenschlüsse bewilligt, die zu einer wesentlichen Verschärfung der Medienkonzentration in der Schweiz führen. Die Involvierten hatten ein Verbot befürchtet, die Kritiker hatten es erhofft. Beide im diffusen Empfinden, die Wettbewerbskommission sei für Vielfalt in der Medienlandschaft zuständig.

Dabei ist das Wettbewerbsrecht ein untaugliches Mittel, um für Medienvielfalt zu sorgen. Die Wettbewerbshüter sind rechtlich an die falschen Parameter gebunden, um zu messen, ob publizistischer Wettbewerb herrscht oder nicht. Die Verantwortung für eine Medienvielfalt an die Kommission zu delegieren, wäre aber auch zu billig. Verantwortung ist anderweitig zu adressieren:

  • Zunächst an die immer grösser werdenden Medienunternehmen, die stärker als heute selbstregulierende Strukturen zu implementieren hätten, um nicht nur redaktionelle Unabhängigkeit, sondern auch redaktionelle Vielfalt zu garantieren.
  • Zudem an die weiterhin wichtige Werbewirtschaft (inklusive der öffentlichen Hand), zu deren gesellschaftlichen Verantwortung durchaus gehören könnte, mittels Werbung Journalismus zu ermöglichen.
  • Schliesslich an die Mediennutzer, die sich gerne als mündige Konsumenten verstehen, sich aber zunehmend auf den Gratiskonsum von Informationen beschränken und gleichzeitig die Ausdünnung des publizistischen Angebots beklagen.

Der Nachteil der verteilten Verantwortung liegt auf der Hand: In der einen oder anderen Form sind die meisten von uns betroffen. Da ist es doch einfacher, die Aufgabe an die Wettbewerbshüter zu delegieren.