Nahrungsmittelspekulation
Wer jung ist, darf noch träumen

Traumhaft. Anders kann man die Ausgangslage für die Jungsozialisten am Abstimmungssonntag nicht beschreiben. SVP-kritische Kreise hatten davor wochenlang gegen die Durchsetzungsinitiative mobilisiert.

Lorenz Honegger
Lorenz Honegger
Drucken
Teilen
Die Spekulationsstopp-Initiative der JUSO ist gescheitert. (Symbolbild)

Die Spekulationsstopp-Initiative der JUSO ist gescheitert. (Symbolbild)

/AP/DIEGO GIUDICE

Deutlich mehr und vor allem links orientierte Stimmbürger gingen an die Urne als üblich – Menschen, die einem Anliegen wie der Juso-Initiative «Keine Spekulation mit Nahrungsmitteln!» positiv gegenüberstehen. Doch die Juso schafften es nicht, ihre komfortable Lage auf dem Trittbrett der Anti-SVP-Kampagne zu verwerten. Ihr Volksbegehren wurde mit 59,9 Prozent Nein-Stimmen deutlich abgelehnt, zweieinhalb Jahre, nachdem bereits die 1:12-Initiative gescheitert ist.

Zeit zu fragen: Was machen die Jungsozialisten falsch? Immerhin gehören sie zu den wenigen Gruppierungen, die ihre Anliegen vergleichsweise mühelos als Volksinitiativen an die Urne bringen können. 100 000 gültige Unterschriften sammeln sich nicht von alleine. Sowohl bei der 1:12-Initiative als auch bei der Anti-Spekulationsinitiative attestierten ihnen die Gegner gute Absichten. Eine fairere Lohnverteilung ist genauso mehrheitsfähig wie weniger Hunger auf der Welt. Die Frage ist, wie realitätsnah man solche Anliegen in einen Initiativtext verpackt.

Wer behauptet, ein paar zusätzliche Zeilen in der Verfassung lösten das Problem der ungleichen Einkommensverteilung und des Welthungers, verkauft die Stimmbürger für dumm, und das geht selten gut. Bei der nächsten Volksinitiative sollten die Juso ihr Augenmerk deshalb auf die Umsetzbarkeit ihres Anliegens legen. Es braucht nicht jedes Mal den Zweihänder. Etwas weniger ist manchmal mehr. Dann, die Prognose sei gewagt, steht einem Sieg an der Urne nichts mehr im Weg. Wer jung ist, darf noch träumen.

Aktuelle Nachrichten