Schwingen
Wenn Könige fallen wie Knechte

Der Berner Christian Stucki triumphiert am Unspunnen-Fest. Der Kommentar.

Klaus Zaugg
Klaus Zaugg
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Christian Stucki lässt sich nach seinem Sieg im Schlussgang des Unspunnen-Schwinget von den 15400 Zuschauern kräftig feiern.

Christian Stucki lässt sich nach seinem Sieg im Schlussgang des Unspunnen-Schwinget von den 15400 Zuschauern kräftig feiern.

KEYSTONE

Die kreativsten Köpfe der besten Werbebüros der Welt wären nicht in der Lage, einen auch nur annähernd so guten Werbespot über die Schweiz zu produzieren. Das friedliche Fest. Das Wetter, nicht strahlend schön, immer ein paar mahnende Wolken am Himmel. Die Kulisse mit den Bergen, Wäldern und Silhouetten der Luxushotels. Alles wunderbar besungen, bejodelt und bealphornt. Ein grosses Fest, gewiss. 15'800 Zuschauer. Aber nicht zu gross. Grad in der richtigen guthelvetischen Dimension, die Platz für Bescheidenheit lässt und niemanden hoffärtig werden lässt.

Impressionen vom Unspunnen Schwinget in Interlaken
31 Bilder
Curdin Orlik (links) und Christian Stucki (rechts) treffen im Schlussgang aufeinander. Im Bild: beim Mittelländischen Schwingfest auf dem Gurten am 11. Juni.
Alle sechs Jahre wieder: In Interlaken steht der Unspunnen Schwinget an. Die Zuschauer strömen in die Arena.
Voll besetzte Tribünen am Unspunnen Schwinget.
Die Schwingerhosen sind bereit.
Athleten vom Innerschweizer Schwingverband schreiten in die Arena.
Die Berner Schwinger Matthias Sempach (Mitte) und Philipp Reusser (rechts) warten auf ihren Einmarsch.
Die Berner Schwinger Martin Rolli, Fabian Staudenmann, Kilian Wenger und Matthias Sempach (von links) erscheinen in der Arena am Unspunnen Schwinget.
Auch die Jodler warten auf ihren ersten Einsatz in der Arena von Interlaken.
Christian Stucki bodigt im ersten Gang am Unspunnen Schwinget seinen Widersacher Daniel Bösch mit einem Plattwurf...
...und startet als Top-Favorit somit sehr überzeugend in den Unspunnen-Schwinget.
Christian Stucki in Siegerpose.
Damit hat sich der Berner Schwinger eine Erfrischung am Brunnen verdient.
Simon Anderegg (rechts) kämpft im ersten Gang gegen Rene Suppiger.
Andreas Ulrich (oben) im Duell gegen Niklaus Zenger während des Anschwingens.
Matthias Aeschbacher (links) bezwingt im ersten Gang Samir Leuppi.
Kilian Wenger (unten) trifft im ersten Gang auf Widersacher Joel Wicki.
Nach seinem Sieg gegen Daniel Bösch im ersten Gang posiert Christian Stucki mit einem jungen Fan für ein Selfie.
Auf in den zweiten Gang: Joel Wicki (oben) bodigt Pascal Piemontesi.
Nach seiner Niederlage gegen Top-Favorit Christian Stucki im ersten Gang gewinnt Daniel Boesch (oben) gegen Martin Zimmermann im zweiten Gang.
Matthias Sempach (oben) im Duell gegen Roman Zurfluh im zweiten Gang.
Armon Orlik (oben) kämpft im zweiten Gang am Unspunnen-Schwinget gegen Bruno Linggi.
Los geht's mit dem dritten Gang: Hier kämpt Matthias Sempach (oben) gegen Stefan Kennel.
Hier duellieren sich Joel Wicki (rechts) und Willy Graber.
Nach einem Sieg im zweiten gang kann Daniel Bösch auch im dritten jubeln. Er bezwingt Hanspeter Luginbühl.
Im dritten Gang am Unspunnen-Schwinget trifft Armon Orlik (rechts) auf Christian Gerber.
Schwing-Fans verfolgen das Geschehen in der Arena während des dritten Gangs.
Zuschauer verpflegen sich am Unspunnen-Schwinget.
Blick in die Schwing-Arena in Interlaken.
Für Titelverteidiger Daniel Bösch ist das Unspunnen-Schwinget vorbei. Er verliert gegen Remo Käser und kann seinen Sieg nicht wiederholen.
Topfavorit Stucki Christian bleibt weiter makellos und gewinnt auch den vierten Gang. Ist der Berner Koloss noch zu stoppen?

Impressionen vom Unspunnen Schwinget in Interlaken

Keystone

Ohne die brummende, tosende Vermarktung und den inzwischen fast an olympischen Gigantismus mahnenden, immer grösseren Rahmen eines Eidgenössischen Schwingfestes. Wahrlich, der «Mythos Unspunnen» lebt und seine Erfinder hätten es sich zu Beginn der 1800er-Jahre nicht träumen lassen, dass ihre Idee alle politischen Stürme überstehen und auch noch im 21. Jahrhundert eine so starke politische, kulturelle und sportliche Ausstrahlung in die Schweiz haben würde.

Unspunnen wurde von unseren Vorvätern erfunden, um unser Brauchtum zu pflegen, Stadt und Land zusammenzuführen und in unsicheren Zeiten eine Identität zu stiften. Genau das war Unspunnen auch gestern. Und natürlich war es auch Sport. Grosser, dramatischer Sport. «Unspunnen 2017» hat auch auf begeisternde Art und Weise die dynamische Entwicklung des Schwingens bestätigt. Könige sind gefallen wie Knechte und am Ende triumphierte mit dem sanften Titan Christian Stucki einer, der noch nie auf dem Thron sass, aber als «König der Herzen» der populärste «Böse» aller «Bösen» ist.