Polemik
Wenn es schneit im Kopf

Nicola Imfeld, Jahrgang 1995
Nicola Imfeld, Jahrgang 1995
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Früher hat es nicht mehr weisse Weihnachten gegeben.

Früher hat es nicht mehr weisse Weihnachten gegeben.

Keystone

Nicht nur in der Märchenwelt ist Weihnachten weiss, sondern auch in den Köpfen unserer Eltern und Grosseltern. Während sie von Januar bis November Dinge sagen wie: «Früher war alles besser» und «Ich bringe mein Smartphone nicht an», wiederholen sie in der Adventszeit penetrant den Satz «Früher waren weisse Weihnachten normal.»

Ein Blick in die Statistik zeigt: Weisse Weihnachten war nie üblich. Die letzten Bilderbuch-Weihnachten liegen sechs Jahre zurück. Von 1941 bis 1949 gab es in Zürich keinen einzigen verschneiten Weihnachtstag.

Dennoch erliegen die Älteren nicht unbedingt Einbildungen. Der US-Neuropsychologe Daniel L. Schacter sagt in seinem Buch «Wir sind Erinnerung»: «Erinnerungen sind die hinfälligen, aber machtvollen Produkte dessen, was wir aus der Vergangenheit behalten, über die Gegenwart glauben und von der Zukunft erwarten.»

Vielleicht werde also auch ich meinen Enkeln erzählen, wie ich an Weihnachten jeweils schlitteln ging. Hoffentlich sind meine Nachfahren dann clever genug – und stöbern diese Polemik im Internet auf.

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