Mensch & Medien
Wenn der Nachwuchs ausbleibt

Christian Mensch schreibt über Themen, die die Medienwelt bewegen. Heute: Warum der Journalismus ein Nachwuchsproblem hat.

Christian Mensch
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Keystone

In den Schweizer Medien werden hervorragende journalistische Leistungen publiziert. Eine bemerkenswerte Qualitätsdichte zeigte sich etwa bei den Swiss Press Awards, die in dieser Woche verliehen wurden. Alle Tugenden, die Politiker in staatstragenden Reden von Medienschaffenden einfordern, sind erfüllt: kritischer Blick, hartnäckige Recherche, unbestechliche Analyse, relevante Themen, innovative Ansätze, brillante Darstellung. Gerührt formulieren die Geehrten, was die Branche gerne hört: «Journalismus ist der schönste Beruf, den man sich vorstellen kann.»

Dieser Ruf verhallt jedoch zunehmend in der Echokammer der Medienwelt. Als Lockruf für den Nachwuchs hat er seinen Reiz verloren. Zwar ist die abstrakte Vorstellung, eine Laufbahn in den Medien zu starten, noch vorhanden, doch dabei steht das Stellenprofil eines Influencer höher im Ansehen als das eines sorgfältigen Berichterstatters.

Die Folgen werden doppelt spürbar. Quantitativ sinkt die Zahl der Bewerber, egal welche Stelle ausgeschrieben ist. Qualitativ sind die Berufseinsteiger zwar fleissig unterwegs, doch der Schulsack, den sie mitbringen, wird im Schnitt immer schlanker. Galt vor einigen Jahren noch ein Master-Hochschulabschluss als ideales Eintrittsticket in die Welt des Journalismus, wird heute ein Bachelor-Abschluss als löblich gefeiert. Es ist dies kein Schweizer Phänomen: In Deutschland finden Regionalzeitungen kaum mehr Praktikanten. Und Journalistenschulen nivellieren hier wie da ihre Ansprüche nach unten, um die angestrebten Klassengrössen knapp zu erreichen.

Freuen wir uns an der Dichte der publizistischen Leistungen, wie sie heute in der Schweiz publiziert werden. Wenn wir nicht reagieren, ist das Ende absehbar.